Hennen. So leicht geht diesen Herren und auch Damen trotz des fortgeschrittenen Alters nicht die Puste aus: Sie können noch ganz gehörig die Backen aufblähen, tief Luft holen und damit ihre Blasinstrumente gekonnt betreiben. Das klingt, das schwingt, das lässt auch beim Publikum das Zwerchfell wohlig vibrieren und deshalb ist die Truppe des „Ruhrtaler Rentner Posaunenchors“ stark gefragt.

Der Älteste ist 88

Rund vierzig Männer und Frauen jenseits der „60“ gehören dem Chor an. Sie spielen blinkende Metallinstrumente, Trompeten, Flügelhörner, Waldhörner, Zugposaunen, Bariton- und Tiefbässe. Sie alle verbringen ihren Unruhestand irgendwo entlang der Ruhr und der Lenne.

Sie kommen aus Volmarstein, Dortmund, Fröndenberg, Hemer, Iserlohn, Altena, Wiblingwerde und Hagen nach Hennen. Dort treffen sie sich einmal im Monat donnerstags von 10 bis 12 Uhr zum Musizieren im Martin-Luther-Haus. Der älteste Teilnehmer hat mit seinen bald 88 Jahren immer noch genug Puste für sein Tenorhorn.

Und auch Chorleiter Friedhelm Arno Berthold bringt es schon auf stolze 85 Lebensjahre. „Ich habe mit dreizehn Jahren in Schwerte das Blasen gelernt“, erzählt er. „Jungen wie ich waren begehrt, denn in den Posaunenchören hatte der Krieg große Lücken hinterlassen. Wir wurden im Juni 1946 regelrecht auf ein paar erste Kirchenlieder trainiert, um musikalisch die beschädigten Orgeln ersetzen zu können.“ Notenmaterial war kaum zu bekommen. Zunächst wurden hauptsächlich romantische Choralsätze gespielt, um die singende Gemeinde zu begleiten. Später orientierte man sich an der Bläsermusik des Mittelalters, die von den Türmen oder bei Hof geblasen wurde.

Aus besten Erinnerungen

Vor 21 Jahren fanden sich etliche der ehemaligen Mitbläser zur Geburtstagsfeier bei Friedhelm Arno Berthold zusammen. Sie gerieten so sehr ins Erinnern und Schwärmen von den guten alten Jugendzeiten, dass sie beschlossen, sich musikalisch wieder zusammenzutun. Der „Ruhrtaler Rentner Posaunenchor“ war aus der Taufe gehoben. Aus einem kleinen Anfang wuchs über die Jahre ein immer größerer Musikerkreis zusammen.

„Einige sind auch noch in anderen Chören aktiv“, berichtet der Chorleiter. „Wir graben gern altes Notenmaterial aus. Bei den Proben lassen wir uns immer auch Zeit zum Erzählen, zum Gespräch, zum Geburtstagskaffeetrinken oder was auch immer. Musikalisch spielen wir nie in der Heimat anderer Chöre. Wir sind besonders vormittags und nachmittags gefragt, wenn noch berufstätige Hobby-Musiker eben leider passen müssen.“

Die Kraft echter Töne

Rentner lieben es zu reisen. Deshalb tritt der Chor selten in voller Stärke auf und kommt sogar halbiert noch zu einem stattlichen Klang. Friedhelm Arno Berthold hat im Laufe von 40 Jahren rund einhundert Bläserschüler angeleitet. Aktuell denkt er noch nicht ans Aufhören. Aber wenn der Tag einmal kommt, ist die Nachfolge gesichert.

Das Horn nimmt er auch auf Reisen immer mit. „Konserven aufmachen kann ja jeder“, lacht er. „Bei mir und meiner Frau, die Waldhorn spielt, hat der Morgenchoral echte Töne.“
Wer sich dem Chor anschließen möchte, kann am Donnerstag, 11. Oktober, 8. November und 13. Dezember, von 10 bis 12 Uhr direkt bei der Probe im Hennener Martin-Luther-Haus vorstellig werden.