Fachmann bestätigt: Ratten in der Brandruine

Der Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel hat auch an und in der Brandruine im Innenhof an der Eintrachtstraße Köder ausgelegt. Bei der Überprüfung bestätigte er jetzt den Verdacht von Anwohnern: „Ganz klar: hier haben sich Ratten eingenistet!“ (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) Jetzt ist es „amtlich“: Wie von Anwohnern bereits vermutet, tummeln sich Ratten in der Brandruine im Hinterhof zwischen Friedens- und Eintrachtstraße. Bei seinen zahlreichen Einsätzen gegen die in diesem Jahr besonders lästigen Nager hat der professionelle Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel (der wk berichtete bereits am 7. August und am 30. Juli) nun auch dort Köder ausgelegt. Die Überprüfung ergab: „Die Köder sowohl im als auch vor dem Gebäude wurden angeknabbert. Ganz klar: Hier tummeln sich Wanderratten!“

Nicht zuständig?

Rund zweieinhalb Jahre ist es her, dass ein Brand im Februar 2009 im Hof an der Eintrachtstraße wütete und eine Ruine zurückließ. Ein Zaun versperrt nun die Fassade, das Gebäudeinnere ist ausgeräumt, Wind weht durch die offenen Fenster, die Brandruine wirkt desolat. Die umliegenden Häuser sind bewohnt, Kinder spielen im Hof. Bislang ließ die Stadt Schwerte verlauten, sie sei für das Gebäude nicht zuständig, weil Privatbesitz. Nun wird die unerfreuliche Situation durch den Rattenbefall noch verschärft.

Angesprungen

Auch in der Nachbarschaft der Brandruine haben sich Wanderratten breit gemacht, so auch hinter dem Ladenlokal des Malermeister Torsten Broer, der an einer Garage sogar von einer Ratte angesprungen wurde. Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel: „Das ist möglich, wenn eine Ratte sich bedroht fühlt oder ihre Jungen beschützen möchte. Dann werden die Nager agressiv. Wenn sie sich in die Enge gedrängt fühlen, fallen sie sogar Menschen an. In solch einem Fall würde auch ich den Rückzug antreten!“

Überträger von Krankheiten

Aus gutem Grund. Denn Wanderratten fressen auch Aas, machen sogar vor toten Artgenossen nicht Halt und können gefährliche Krankheiten übertragen. Voeckel kann sich noch gut an einen Müllentsorger erinnert, dem eine Ratte aus einer Tonne ins Gesicht sprang. Der Mann trug eine Wunde im Gesicht davon, die sich übel entzündete.

Rattenplage

In Schwerte scheinen sich in diesem Sommer Wanderratten an allen Ecken und Enden zu tummeln. Schädlingsbekämpfer Reiner Voekel jedenfalls kommt mit der Arbeit kaum noch nach. Am Sohlenkamp beispielsweise, wo das Ehepaar Bolz zuerst Alarm schlug, sind bereits 15 Häuser von der Rattenplage betroffen. Dort haben sich die vermehrungsfreudigen Tiere – ein Weibchen kann im Jahr bis zu 200 Junge in die Welt setzen – vom Bahndamm aus in der Nachbarschaft verbreitet, wie jetzt auch in Geisecke geschehen.

Die Köderbox von innen. Der blaue Block in der Mitte enthält den Blutverdünner Markumar. (Foto: Norbert Fendler)

Im Einsatz ist Reiner Voeckel dieser Tage unter anderem auch an der Kantstraße – dort ist kürzlich einer Frau im Garten eine Ratte über die Füße gelaufen – der Beckestraße, Heidestraße, am Alten Dortmunder Weg sowie in der Reichshofstraße.

„Stufe zwei“

Wie auch an der Brandruine im Hof an der Eintrachtstraße muss Reiner jetzt neue Köder auslegen. Wie bereits berichtet, enthalten die länglichen, schwarzen Boxen das Blutverdünnungsmittel Markumar. Erst nach einigen Tagen werden die Köder angenommen, freilich auch nur, wenn den – übrigens kindersicheren – Boxen keine menschlichen Geruchsspuren anhaften, weshalb Voeckel mit Handschuhen zu Werke geht. Beim Verzehr der Ködermasse mit dem Blutverdünner sterben die Tiere erst nach einem, zwei oder gar erst drei Tagen in ihrem Bau. „Die Verzögerung ist wichtig, damit die Ratten nicht nachvollziehen können, wo sie Gift gefressen haben“, so der Schädlingsbekämpfer.

Resistenz

Bei der Neubestückung der Köderboxen kommt nun eine Paste zum Einsatz. „Der Wirkstoff muss gewechselt werden, weil sonst Resistenzen entstehen können. Hat zum Beispiel eine Ratte den Köder angeknabbert und wirft einen Tag darauf noch Junge, sind diese gegen das Markumar resistent“, weiß der Fachmann.

Dieser Tage wird man Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel an vielen Einsatzorten in Schwerte sehen. So nächste Woche auch wieder an der Brandruine im Hof an der Eintrachtstraße. Man darf gespannt sein, welche unliebsamen Überraschungen die Wanderrattenplage noch bereit hält.