Filmreif und frühlingsfrisch

Schwerte. (NO) Neulich im Grand-Hotel: Die Damen in langen Abendkleidern, die Herren im Smoking und mit Pomade im Haar, der Champagner fließt in Strömen, in der Luft hängt der Rauch feiner Orient-Zigaretten. Dazu spielt die Musik – schmeichelnd, verführerisch, beschwingt… Das ist die Welt des Bohème-Orchesters. Nach drei Jahren lädt es wieder ein zu einem Frühlingskonzert – unter dem Motto „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“.

Klang der alten Zeiten

Alte Zeiten lässt die zwölfköpfige Nostalgie-Formation musikalisch wieder aufleben und entführt das Publikum in die 30er und 40er Jahre – mit kessen Foxtrotts, herzzerreißenden Walzer, schmissigen Operettenmelodien und unvergessenen Tonfilm-Schlagern. Dazu lässt der Operettentenor und Conferencier Gunther Gerke seine unvergleichliche Stimme erschallen.

Glanzlichter

Seit der Gründung des Orchesters 1997 blicken die Musiker um Kapellmeister und Kontrabassist Friedrich Kuhlmann auf etliche musikalische Glanzlichter zurück, so auf die Revue „So wird’s nie wieder…“ mit der Schwerter Operettenbühne, Auftritte mit Ilse Werner, Tana Schanzara und anderen. Auch in Kurorten und Jazzclubs haben die „Bohèmiens“ mittlerweile viele Fans gefunden. Zudem ist auch die Filmwelt aufmerksam geworden auf die Nostalgie-Formation.

Beim Film

Mitglieder des „Bohème-Orchesters“ – ganz rechts Schlagwerker Rudi Lips - mit Schauspielern bei Dreharbeiten zu „Jud Süß“. (Foto: privat)

So waren Mitglieder des Orchesters bei den Dreharbeiten von „Jud Süß“, der im vergangenen Jahr, wenn auch nur kurz, im Kino lief, mit auf dem „Set“. Der Film mit Moritz Bleibtreu als Goebbels über die Geschichte des bekanntesten Propagandastreifens des Dritten Reichs brauchte für einige Szenen ein stilechtes Orchester, und so kamen einige „Bohème“-Mitglieder sozusagen als musikalische Statisten ins Spiel.

Hotel Lux

Erst kürzlich meldete sich wieder eine Film-Agentur. Ob man wieder einige Musiker entbehren könne für Dreharbeiten zum brandneuen Leander-Haußmann-Film „Hotel Lux“. Inhalt: Der Komiker und Parodist Hans Zeisig, gespielt von Bully Herbig, muss 1938 mit falschen Papieren aus Nazi-Berlin fliehen. Eigentlich träumt er von Hollywood, doch dann landet er in Moskau und gerät in das berüchtigte Exilantenhotel „Lux“. Der sowjetische Geheimdienst verwechselt Zeisig mit dem abtünnigen Leibastrologen Adolf Hitlers. So gerät der unpolitische Entertainer in die Mühlen von Stalins Machtapparat… „Hotel Lux“ kommt am 27. Oktober in die Kinos.

Bart ab!

Historisch korrektes Aussehen war bei den Filmaufnahmen Pflicht: Rudi Lips in der Maske. (Foto: privat)

Gedreht wurde unter anderem in einem Uralt-Kino im Ruhrgebiet. Wie auch bei „Jud Süß“ war der Einsatz nicht immer das pure Vergnügen. Denn Bärte und lange Haare wollten die Filmemacher gar nicht sehen: Also ab damit. So verlor auch Trompeter Josef Svoboda seinen Bart… „Die meiste Zeit beim Film verbringt man mit Warten“, denkt Rudi Lips, Schlagwerk und Geräusche, an lange Drehtage, die bisweilen von halb acht morgens bis vor Mitternacht dauerten. „Und das alles für einige kurze Szenen, an denen wir beteiligt waren!“ Dennoch: Ein Erlebnis war der neue „Dreh“ allemal. Und er wird mit Sicherheit nicht der letzte gewesen sein!

Frühlingskonzert

Das Schwerter „Bohème-Orchester“ ist demnächst wieder mit einem Frühlingskonzert auf heimischer Bühne zu Gast: am Sonntag, 27. März, ab 18.30 Uhr in der Rohrmeisterei. Zur Zeit laufen die Proben auf Hochtouren. Kapellmeister Friedrich Kuhlmann: „Schon jetzt kann sich das Schwerter Publikum wieder auf ein nostalgisch-beschwingtes Programm freuen, für das wir auch tief in den Operettentopf gegriffen haben!“ Zu hören sein werden „Hits“ wie „Wenn der weiße Flieder wieder blüht“ über „Dunkelrote Rosen“ bis zu „Es muss was wunderbares sein, von dir geliebt zu werden…“

Jetzt schon Karten

Der Eintritt kostet 15 Euro im Vorverkauf und 18 Euro an der Abendkasse. Vorverkaufskarten sind ab sofort auch beim wochenkurier erhältlich.