Kein Platz für Humanismus?

Die Brüder Capek

Die Capek-Gesellschaft ist nach den im damaligen Ostböhmen geborenen Brüdern Josef Capek (1887 bis 1945) und Karel Capek (1890 bis 1938) benannt. Bekannt wurde Josef Capek, der im KZ Bergen-Belsen starb, vor allem durch so schlagkräftige wie bittere Karikaturen am Vorabend des 2. Weltkriegs. Sein Bruder Karel, der sich zu Tode hungerte und an einer Lungenentzündung starb, wirkte als Dramaturg und vor allem als Romanautor, der vor kommenden Katastrophen warnte. Beide propagierten eine zutiefst humanistische und pazifistische Botschaft.

Die Capek-Gesellschaft, die sich auf die Geisteshaltung der Brüder beruft, wurde 1983 in Dortmund gegründet, hat seit 1991 ihren Sitz in Hagen und zählt zur Zeit rund 50 Mitglieder. Vorsitzender ist Dr. Ulrich Grochtmann. In Schwerte ist der Verein durch Irmtraud Ruder vertreten, zuständig für das Kulturprogramm der Gesellschaft und deren Ansprechpartnerin vor Ort. Kontakt: i.ruder@gmx.de

Schwerte. (NO) Zugegeben, die Capek-Gesellschaft für Völkerverständigung und Humanismus beackert ein Feld, das nicht gerade im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses steht. Aber soviel Desinteresse hat der eingetragene Verein nicht verdient, versucht er doch, die jüngere Geschichte „auf lebendige Art zu vermitteln und historische Vermächtnisse lebendig zu halten.“ Dabei geht es dem Verein vor allem darum, Stellung zu beziehen „gegen Volksverdummung, Diktatur und Krieg“ durch Vermittlung von „Geschichte aus der Nähe“. Im Brennpunkt dieser Geschichte steht der Vorabend des 2. Weltkriegs und speziell die humanistische Botschaft der Brüder Capek.

Wanderausstellungen

Seit etlichen Jahren ist die Gesellschaft mit zwei Wanderausstellungen unterwegs: „Geschichte aus der Nähe: Politische Karikaturen von Josef Capek aus der Zeit von 1933 bis 1938“ und „Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs – München 1938/März 1939 – Hintergründe, Ereignisse, Folgen“. Eine dritte Wanderausstellung der Capek-Gesellschaft hat „Mozart und Prag“ zum Thema und wurde im Mozartjahr 1991 erstmalig gezeigt.

Interesse im Ausland

Mit den beiden zuerst genannten Ausstellungen hat die Gesellschaft unter anderem in Prag, St. Petersburg, ja sogar Hiroshima für Aufmerksamkeit gesorgt. Auch im Landtag in Düsseldorf, wo die Gesellschaft als Anerkennung eine Medaille durch den tschechischen Konsul erhielt, wurde „Geschichte aus der Nähe“ schon. präsentiert, weitere Ausstellungen sind für den Mai in Polen geplant. Das Programm des Vereins umfasst darüber hinaus Vorträge, Seminare, Sprachkurse und Studienreisen.

Historische „Schätze“

Wird die Arbeit der Capek-Gesellschaft vor allem im nahen Ausland mit Aufmersamkeit verfolgt, so ist das Interesse vor Ort nahezu Null – obwohl sie über ein reichhaltiges Archiv und damit geschichtlich wertvolle Dokumente verfügt. Vor wenigen Jahren erhielt der Verein zudem zwei Schenkungen: Ein tschechischer Publizist aus Australien überließ der Capek-Gesellschaft eine Sammlung von etwa 10.000 Zeitungsausschnitten aus tschechischen und anderen Organen, Beiträge aus der Zeit von 1918 bis zur Gegenwart. Aufgrund einer weiteren Schenkung ist die Gesellschaft auch im Besitz von nahezu allen Ausgaben der damaligen Prager Tageszeitung „Sozialdemokrat“.

Es könnten also Schätze gehoben werden – doch die will hier offenbar niemand haben. „Schulen, Hochschulen, Bildungseinrichtungen verschiedenster Art könnten davon profitieren, aber es kommen nur Absagen“, bekennt der Vorsitzende Dr. Ulrich Grochtmann frustriert. „So haben wir auch der Hagener Fernuniversität und der Uni Dortmund Ausstellungen angeboten und um Räume für unser ,Zeitungsarchiv Ost‘ mit der Sammlung des ,Sozialdemokraten‘ angefragt. Kein Interesse.“

Wer hilft?

So müssen die historisch durchaus bedeutsamen Schätze wohl auch weiterhin in privaten Räumen mehr schlecht als recht untergebracht werden. Doch so soll es nicht weitergehen. Deshalb hofft Irmgard Ruder nun auf Hilfe aus Schwerte, wenn schon Hagen und Dortmund abwinken: „Vielleicht besteht die Möglichkeit, unser Zeitungsarchiv und wertvolle Dokumente unserer Ausstellungen in Räumlichkeiten vor Ort unterzubringen! Für die Stadt Schwerte wäre dies sicher eine Bereicherung. Und unsere Gesellschaft wäre für jede Art von Hilfe dankbar!“