Keine Angst vor Poesie!

Michael J. Lemmen, 19, ist Schwertes jüngster Nachwuchsdichter. Am Mittwoch stellt er im Rahmen einer öffentlichen Lesung in der Gesamtschule seinen Gedichtband „Poesie meiner Seele“ vor. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (NO) „Früher war mein Leben ein Kiosk, heute ist es ein Kaufland“ – sagt Michael J. Lemmen, mit 19 Jahren Schwertes wohl jüngster Nachwuchsdichter. „Micka“, so nennen ihn seine Freunde, hat noch andere Sprüche parat – wie: „Wäre das Leben ein Einheitsbrei, dann wäre ich wohl der Löffel.“ Das Kurzgedicht „Die Brille“ (2009) geht so: „Eine Brille wirkt wie ein Schein – Um das Selbst und das Sein – Hinter Gläsern zu verstecken.“

Das mag alles noch keine große Dichtkunst sein, doch immerhin: Michael Lemmen hat keine Angst vor Poesie. Anstatt seine „Ergüsse“ verschämt in der Schreibtischschublade zu verstecken, geht der junge Mann an die Öffentlichkeit. Zwei Bücher hat er bereits veröffentlicht. Und nächste Woche wird er sich bei einer Lesung an „seiner“ Gesamtschule Mitschülern und interessierten Bürgern stellen.

Kreativer Fluss

Schreiben gehört für „Micka“ seit seinem elften Lebensjahr zum Alltag. Die Aufgabe, eine Geschichte zu einem Bild zu schreiben, geriet ihm damals geradezu zum Epos. Die Einfälle wollten kein Ende nehmen, drei Jahre dauerte der Schreibfluss, bis sein erstes Buch, ein Fantasyroman mit dem Titel „Die schwarze Insel“, „eine Art Mischung von Schatzinsel und Harry Potter“, so der Jungautor, fertiggestellt war. Das Erstlingswerk erschien in einer „privaten“ Auflage von immerhin 300 Exemplaren.

In den folgenden Jahren entdeckte Michael Lemmen das Schreiben für sich, versuchte sich an Anekdoten, Satiren und schließlich an Gedichten. Seit 2008 konzentriert sich der junge Schwerter, der vor einem Jahr eine Wohnung in der Innenstadt bezogen hat, auf Lyrik im weitesten Sinne. Um die 300 Gedichte hat er bisher verfasst.

Kein Bücherwurm

Ein Bücherwurm ist „Micka“ jedoch nicht. „Ich lese nicht mal viel“, gesteht der junge Poet. Und Vorbilder? Hat er jedenfalls nicht in den Kreisen altbekannter Altmeister. Seine Gedichte entstehen im und aus dem Alltagsleben, das Internet ist „Mickas“ bevorzugtes Medium. Und wenn es schon ein Vorbild sein muss: „Am ehesten orientiere ich mich an Bas Böttcher“. (Bastian „Bas“ Böttcher wurde 1974 in Bremen geboren, lebt in Berlin und ist Schriftsteller und Slam-Poet und Mitbegründer der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene.) Gleichwohl ist die Poesie für Michael Lemmen ein ernsthaftes Geschäft, keine Show. Er mag es gar nicht, wenn Dichtkunst in Comedy abgleitet.

Poesie meiner Seele

Mit „Poesie meiner Seele“ hat „Micka“ kürzlich sein erstes Gedichtbändchen vorgelegt, erhältlich für sechs Euro bei Bücher Bachmann. Ein mutiger Schritt eines jungen Mannes, der sich nicht scheut, sich in die Seele blicken zu lassen. Offen und ehrlich, bisweilen etwas pathetisch, spricht er über sein Innenleben mit seinen Ängsten, Leiden und Hoffnungen.

Zauberhafte Lesung

Michael Lemmen hat an der Gesamtschule Schwerte – dort wird er im kommenden Jahr das Abitur machen – eine öffentliche Lesung organisiert, die am Mittwoch, 8. Dezember, ab 19 Uhr in der Mensa stattfindet. Der Eintritt kostet zwei Euro – und alle Interessierten sind eingeladen. Dabei wird sich „Micka“ nicht nur als Lyriker präsentieren, sondern noch zwei andere kreative Seiten seiner Persönlichkeit enthüllen: In der Pause wird er seine Gäste mit Klavierspiel und Zauberei unterhalten. Der Zauberer „Michaelus“ ist übrigens schon seit frühen Kindheitstagen ein „alter ego“ des Schwerter Jungpoeten Michael Lemmen.