Ludwig XIV. und die Kastanie

Westhofen/Syburg. (NO) Was hat die Kastanie eigentlich mit Ludwig XIV. zu tun? Sie war zu Zeiten des Sonnenkönigs ein beliebter Alleebaum. Welcher Baum wird am meisten von Regenwürmern geliebt? Der Apfelbaum. Was hat die Buche mit Buchstaben zu tun? Auf einen Buchenstab ritzten die Germanen ihre Runen, daher wohl der Name für unsere heutigen Schriftzeichen. Welcher Baum eignet sich am besten für die Herstellung einer Wünschelrute? Die Weide. Und woraus macht man ab besten Pfeil und Bogen? Aus Haselholz.

Heimatforscher Ferdinand Ziese aus Dortmund-Holzen - hier mit kleinen Führungsteilnehmern im Kellergewölbe von Haus Husen - weiß auch Wissenswertes und Sagenhaftes über die Bäume unserer Region zu berichten. (Foto: Norbert Fendler)

Neu: Baumpfad

Wieder im Einsatz war Ferdinand Ziese aus Dortmund-Holzen bei einer Führung am Mittwoch Nachmittag. Diesmal am und im Haus Husen im Dortmunder Stadtteil Syburg unweit der Westhofener Ortsgrenze. Und wie immer hatte der umtriebige Heimatfreund und -forscher – bekannt unter anderem durch seine Merlin-Führungen und als Darsteller des Räubers Mohr – wieder Wissenwertes zu berichten. Und zwar nicht nur über das historisch bedeutsame Haus Husen. Diesmal hatte Ziese auch Informationen über Bäume „im Gepäck“. Denn im Mittelpunkt der Führung stand der neue Baumpfad, der unter seiner Mitwirkung von den Pfadfindern der Burg und dem Pido-Club der DEW21 unter der Leitung von Iris Wasser angelegt wurde.

Verlorenes Wissen

„Es ist doch schade, dass das Wissen über unsere heimatlichen Bäume immer mehr verloren geht. Mit dem neu angelegten Baumpfad wollen wir diesem Verlust entgegenwirken“, so der engagierte Heimatfreund, der Nachhilfe dieser Art für dringend geboten hält. „Es gibt Kinder, die können nicht mal eine Kastanie von einer Buche unterscheiden. Und die gar nicht mehr wissen, wie schön es sein kann, im Wald zu spielen und dort auf Entdeckungstour zu gehen!“

Von 1 bis 17

Bei einer Linde – Nummer 1 – startet der Rundweg ums Haus Husen und endet bei Nummer 17, einer Lärche. Ziese hält dabei nicht nur botanische Informationen bereit, sondern weiß auch Sagen und Legenden zu berichten, die sich um die einzelnen Bäume ranken. Die Idee von naturkundlichen Wissenspfaden rund um Haus Husen hält Ferdinand Ziese für ausbaufähig. „Man könnte im nächsten Jahr und daran denken, auch einen Vogelpfad sowie einen Fischpfad, an dem die wichtigsten Ruhrfische gezeigt werden, einzurichten!“

Kontakt

Doch zunächst stehen die Bäume im Mittelpunkt. Die nächsten Führungen auf dem Baumpfad rund um Haus Husen finden am 8. und 20. Juni jeweils von 16 bis 17.30 Uhr statt. Infos und Anmeldungen bei Ferdinand Ziese unter Tel. 02304/8892.

Historisches Bauwerk: Das Haus Husen in Dortmund-Syburg unweit der Westhofener Ortsgrenze. (Foto: Norbert Fendler)

Haus Husen

Das Haus Husen liegt im heutigen Dortmunder Ortsteil Syburg im Süden der Stadt und in unmittelbarer Nähe zur Westhofener Ortsgrenze. Unterhalb des Sybergs liegt es „auf einem sanften Hang zum Nordufer der Ruhr.“ Diese Lage ist wohl aus strategischen Betrachtungen gewählt worden. Das Haus Husen konnte eine Feuersignalverbindung sowohl mit der Hohensyburg als auch mit dem Haus Ruhr halten und somit mögliche Überfälle frühzeitig ankündigen und abwehren. Auch die Nähe der schiffbaren Ruhr dürfte ein entscheidender Faktor gewesen sein, der die Wahl des Baugrundes beeinflusste.

Das Haus Husen ist das Stammhaus der Herren von Husen, die erstmalig im Jahre 1259 erwähnt werden. Das heute erhaltene Gebäude ist der ehemalige mittelalterliche Wohnturm, der im 17. Jahrhundert in seiner jetzigen Form erbaut wurde. Man geht davon aus, dass der ursprüngliche Bau bereits im 12. Jahrhundert entstanden ist. Dafür spricht die Bauweise des ursprünglichen Gebäudes, die an der im 11. und 12. Jahrhundert üblichen Wohnturmgestaltung orientiert ist.

An der Ostseite des Wohnturmes ist an der Mauer des Kellers ein Wappen angebracht, das an die Freiherren von Romberg, Nachfolger der Herren von Husen, erinnert. Die Veränderungen des Wohnturmes aus dem Jahr 1681 prägen bis heute das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes. Nach Ausbaumaßnahmen im Innenbereich in den sechziger und späten achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, hat das Haus Husen, das auch als Jugendherberge genutzt wird, seine jetzige Form angenommen.