Neues Gesicht, neues Programm

Jetzt mit Rita Kauermann im Vorstand der Konzertgesellschaft: Dr. Wolfgang Schröder und Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr. (Foto: Norbert Fendler)
Jetzt mit Rita Kauermann im Vorstand der Konzertgesellschaft: Dr. Wolfgang Schröder und Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr. (Foto: Norbert Fendler)

Schwerte. (Red.) Seit dem Herbst 2015 gibt es mit der Ablösung von Professor Carl Joachim Heinrich ein neues Vorstandsmitglied. Dr. Ulrike Pfau-Tiefuhr, Nervenärztin im Ruhestand und versierte Cellospielerin, vertritt jetzt zusammen mit Dr. Wolfgang Schröder und Rita Kauermann die Konzertgesellschaft Schwerte (KGS). Sie informieren über den Wechsel, das Konzertprogramm 2016 und die zukünftige Ausrichtung der Konzertgesellschaft.

Was kann die Öffentlichkeit von diesem Wechsel, von diesem Neuanfang erwarten?

Ulrike Pfau-Tiefuhr: Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich in sehr große Fußstapfen trete. Professor Heinrich hat über 25 Jahre mit großem persönlichen Einsatz und der ihm eigenen Musikbegeisterung das Musikleben in Schwerte geprägt und ein reges Konzertprogramm auf die Beine gebracht.
Die Vermittlung von klassischer Musik, verbunden mit einem Konzertbesuch, der Fähigkeit, sich für ein bis zwei Stunden aus dem Alltag zu befreien und dafür sogar das Handy auszuschalten – dies ist für uns alle im Vorstand und in der KGS ein hohes Anliegen.  Wir im Vorstand sind „Überzeugungstäter“, das heißt, Musikausübung und Musikvermittlung, aber auch die Weitergabe einer Begeisterung für qualitativ hochwertige und von Profis gespielte Musik sind für uns eine Herzensangelegenheit.
Meine besondere Aufgabe im Vorstand ist die Planung des Konzertprogramms für die kommenden Jahre, die zuletzt noch Prof. Heinrich oblag. Ich weiß, auf welch schwierige Aufgabe ich mich da eingelassen habe. Aber ich habe in diesem Lebensabschnitt nach Beendigung meiner Berufstätigkeit noch einmal Lust, in dieser eher nüchternen, anstrengenden und von Musikberieselung geprägten Zeit ein qualitativ hochwertiges Konzertprogramm in einer Stadt wie Schwerte weiter zu entwickeln.

Das Konzertjahr 2015 geht zu Ende, das Weihnachtsoratorium am 19. Dezember wird das letzte Konzert-Ereignis in diesem Jahr sein, das neue Jahresprogramm der KGS wird in diesen Tagen veröffentlicht. Was erwartet uns 2016?

Wolfgang Schröder: Wir freuen uns, auch in 2016 in Schwerte wieder ein besonders attraktives Konzertprogramm bieten zu können, das in den letzten 18 Monaten noch einmal im Wesentlichen von Prof. Heinrich geplant wurde. In seiner Grundstruktur soll unser Konzertangebot in 2016 zunächst einmal weitgehend unverändert bleiben: Wir werden also weiterhin vier „Sternstunden am Bösendorfer“ erleben, haben wieder sechs Sommerkonzerte vom 17. Juli bis 21. August im Programm, wieder drei große Chorkonzerte und schließlich einige sehr interessante Kammerkonzerte.
Die Neuerungen in 2016 betreffen in erster Linie unsere Abonnement-Angebote, wo wir uns darum bemüht haben, das mit den Abos abgedeckte Konzertangebot deutlich zu erweitern, eine einfachere Preisstruktur zu finden und fast alle Zuzahlungen zu streichen, die bislang bei vielen Konzerten trotz Abonnementgutschein erforderlich war.

Ulrike Pfau-Tiefuhr: Ich will gerne ein paar Highlights aus dem neuen Programm kurz erwähnen. 2016 beginnt bereits mit einem besonderen Sternstunden Konzert am 31. Januar mit dem tunesischen Pianisten Jean-Marc Luisada in der Rohrmeisterei. Er ist international als bemerkenswerter und sehr einfühlsamer Pianist von hoher Klarheit und Überzeugungskraft bekannt und damit natürlich für uns in Schwerte damit ein ganz besonderer Gewinn.
Am 25. Februar haben wir dann das A-Cappella Ensemble „Sjaella“ zu Gast, sechs junge Damen aus Leipzig, auf die wir uns schon sehr freuen. Es wird weiterhin neben den Kammerkonzerten eine Reihe von sehr spannenden Sommerkonzerten geben. Immer wieder hoffen wir auch dabei, die scheinbare Grenze zwischen Klassik, Jazz, Improvisation aber auch volksmusikalischen Elementen zu durchbrechen. Dies wird sicher gelingen zum Beispiel durch die kubanische Pianistin Marialy Pacheco am 8. Mai mit ihrer spannenden Klavierimprovisation. Sich ihrer Ausstrahlung zu entziehen ist praktisch unmöglich, so sei dieses Konzert auch gerade denen empfohlen, die eine gewisse „Scheu“ vor Solo – Klavierkonzerten haben.
2016 feiert die KGS im Übrigen ihr 90-jähriges Bestehen. Das erste ganz große Musikereignis des Jahres wird deshalb unser Jubiläumskonzert am 3. Juni in der Rohrmeisterei sein, wo der Chor der KGS mit vier exzellenten Solisten und dem großen Orchester des Kreises Unna und der Städte Recklinghausen und Gelsenkirchen, der Neuen Philharmonie Westfalen, Ausschnitte aus „Cavalleria Rusticana“, „Land des Lächelns“ und „Frau Luna“ aufführen wird – eine Sammlung von Ohrwürmern aus Oper und Operette aus der Zeit des Jahrhundertwechsels.
Eine besondere Anforderung und ein zweites musikalisches Großereignis besonderen Ranges wird auch die Aufführung des Brahms-Requiems zum Volkstrauertag 2016 sein. Zum Weihnachtsfest 2016 steht dann natürlich wieder das Bachsche Weihnachtsoratorium auf dem Plan – in Schwerte eine feste Instanz, wie die zumeist ausverkaufte St. Viktor-Kirche belegt.

Wie werden Sie es schaffen, genügend Interessenten für die Konzerte, das heißt Zuhörer und Abonnenten, aber auch aktive Sänger für den Chor zu gewinnen?

Wolfgang Schröder: Das Programmheft 2016 liegt seit dem 1. Advent wieder im diesjährigen attraktiven Design gedruckt vor, um an die Abonnenten und an die Besucher des Weihnachtsoratoriums am 19. Dezember ausgeliefert zu werden. Wir bitten jeden, der sich für unser Konzertprogramm interessiert, auch gern ein Exemplar an Freunde weiterzugeben. Wir glauben, dass dieses Programmheft, das man gern in die Hand nimmt, das man nicht einfach in einer Jackentasche vergisst (und das wir im Übrigen vollständig ehrenamtlich erstellen – sonst könnten wir uns so ein wertiges Werbeinstrument finanziell überhaupt nicht leisten) aktuell der wichtigste Werbeträger für unsere Konzertveranstaltungen ist.
Aber natürlich sind wir auch dringend angewiesen auf neue Abonnenten und neue Konzertbesucher-Kreise, insbesondere jüngere Menschen mit dem Wunsch, sich intensiv auf das Hören von guter und professionell dargebotener Musik einzulassen. In ganz besonderer Weise sind wir aber auch angewiesen darauf, für unseren Chor junge Stimmen, jüngere Menschen zu gewinnen, da nur dadurch qualitativ hochwertige Chormusik entstehen kann. Neue, daran interessierte Menschen sind jederzeit eingeladen, eine Chorprobe montags ab 19.30 Uhr im RTG zu besuchen und zu schnuppern, ob Singen auch ihrer Seele gut tut.

Was sind die Vorhaben, die zu lösenden Aufgaben, vor denen Sie mit diesem Neuanfang im Vorstand der KGS stehen?

Wir sind dabei und bemüht, uns mit neuer Führungsmannschaft in Schwerte neu zu vernetzen und insbesondere auch mit den Institutionen zusammenzuarbeiten, die mit jüngeren Menschen zu tun haben. Es gibt naturgemäß eine langjährige, ausgezeichnete Zusammenarbeit mit der Rohrmeisterei und wir sind sehr froh, in deren Räumen und mit deren Unterstützung eine adäquate Konzertatmosphäre finden zu können.
Das KuWeBe und damit die Vernetzung mit Musikschule und auch VHS sind uns ebenfalls ein hohes Anliegen. Wir freuen uns, in Dr. Christine Mast eine auch fachlich sehr versierte neue Ansprechpartnerin gefunden zu haben.
Die Schulen sind ebenfalls weiter unsere wichtigen Ansprechpartner und wir hoffen, zwischen den Problemen mit G8 und geringer Freizeit der Schüler auch dort in Kooperation mit den Musiklehrern Musikvermittlung und Musikausübung präsent zu halten. Mit dem RTG verbindet uns ja nun bereits seit einigen Jahren die besondere „Bildungspartnerschaft“. Ein Schulkonzert im RTG ist auch bereit für 2016 geplant mit einem Klavier/Cello Duo mit zwei ganz jungen Künstlerinnen, die zuvor abends in der RM konzertieren. Die Kindergärten und Familien mit Kindern werden wieder eingeladen zu einem Kinderkonzert am 18. März. Wir wissen eben aus eigener Erfahrung: Musikerziehung und Geschmacksbildung in Sachen Musik kann nicht früh genug beginnen!
Unser ganz besonderer Dank gilt unseren Sponsoren und Förderern, ohne die eine qualifizierte Konzertreihe gar nicht auf die Beine zu stellen wäre, allen voran der Röhrscheid-Stiftung, der Sparkassenstiftung und der Volksbank in Schwerte.