Offener Brief von Jörg Rost: Utopie einer jungen Zukunft

Schwerte. „Wir brauchen gegen unser Schneller-Höher-Weiter-Denken eine starke Opposition, die unser Denken wieder ins Lot bringt“, sagt der Schwerter Lichtkünstler und Veranstalter Jörg. Jetzt hat er in einem offenen Brief beschrieben, wie er sich das Zusammenleben junger Schwerterinnen und Schwerter in einem eigenen Stadtgefüge vorstellt: Eine glücksverheißende Utopie gegen Leblosigkeit und Resignation. Hier der Wortlaut.

„Als Berufsspinner ist es für mich ein Privileg ohne Grenzen, die Möglichkeiten am Schopf zu fassen und das bisher Unmögliche umzusetzen. Sich Partner zu suchen. Dann geht es los, aus einer eigenen inneren Kraft heraus die Idee umzusetzen! Ich bin im Eschenweg in Schwerte groß geworden. Drei Häuser neben unserem gab es einen Zirkusplatz, der mir Inspirationen gab, von denen ich heute noch zehre.

Elefanten und Pferde wurden auch schon mal in unserem Garten geparkt! Ca. 300 Meter Luftlinie von unserem Haus entfernt gibt es den Strang. Dort habe ich mir mit 13 Jahren mein erstes Floß gebaut. Die Styroporplatten dazu habe ich mir von der Baustelle der Gesamtschule geliehen. (Der liebe Gott wird mich später dafür bestrafen).

Später waren es dann die Zinkbadewannen, die ich dort zu Wasser gelassen habe. Und ich war ganz bestimmt der erste, der einen Katamaran gebaut hat!!! Gesegelt bin ich auch. Mit einer Leinwand. Bis zur Brücke Gut Ruhrfeld. Mit dem Floß habe ich es sogar bis nach Geiseke geschafft. Und das gegen die Strömung. Nur gestakt, mit einem Holzpin abgestoßen.

Auch auf dem Gelände Freibad Schützenhof habe ich, sehr zum Leid des Bademeister, mein Floß und auch meinen Katamaran zu Wasser gelassen. Am Schanzenhang habe ich mir meine eigene Skisprungschanze gebaut. Und, nur für mich, meine Erfolge im Schanzenspringen mit einem sehr zufriedenen Ergebnis mit nach Hause gebracht.

Zuhause war ich auch immer der Spinner. In der Schule war ich schlecht. Also habe ich mir meinen eigenen Raum gesucht und gefunden. Das war, ohne hier weiter darauf einzugehen, meine Rettung, mich auf mich selbst und meine Phantasien einlassen zu können und sie auszuleben.

Es gibt noch unzählige Kindheitsabenteuer, die zu erzählen sich lohnen würde. Aber diese hier sind nur die Einleitung meines eigentlichen Anliegens…
Stellen Sie sich das mal vor: Wir nehmen die fünf schönsten Bäume im hinteren Teil des ehemaligen Freibads Schützenhof. (Für mich ist es das Freibad Schützenhof, für Sie das ehemalige Allwetterbad). Wir lassen die fünf besten Architekten der Stadt (ich habe sie schon im Kopf) dort Baumhäuser bauen!!! Sie werden uneigennützig diese Baumhäuser bauen, weil sie von der gesamten Idee beeindruckt und begeistert sind. Und damit unserer Stadt etwas Schaffendes zurückgeben wollen. Davon bin ich fest überzeugt.

Diese Häuser sind weit und breit einzigartig. Und, wer darin leben wird, ergibt sich im weiteren Verlauf der Beschreibung….
Es sollte ein Dorf sein, ein Dorf im eigenen Stadtgefüge. In diesem Dorf wohnen unsere jungen Menschen, demokratisch im Umgang miteinander und wirtschaftlich unabhängig und versorgen sich mit eigenen Produkten aus biologischem Anbau… Diese Produkte werden auf dem Wochenmarkt oder im eigenen Laden, von den jungen Bewohnern, angeboten und verkauft.

Eine Universität könnte sich einklinken und Forschung betreiben…
Umliegende Felder könnten bewirtschaftet werden…
Bienenvölker könnten angesiedelt werden…
Um die Baumhäuser herum werden 1,5-stöckige kleine Häuser gebaut, um die junge Generation, die wir in unserer Stadt benötigen, zu beheimaten. Die Mieten der Häuser sind gering, keiner soll unter Druck stehen und nur für seine Miete arbeiten gehen. Und noch dazu gibt es noch ein Gemeinschaftszentrum mit einem Saal für bis zu 300 Personen.

Kunst und Kultur haben ein Zentrum in einer neuen Gemeinschaft…
Für mich ist es wichtig, jungen Menschen eine Umgebung zu bieten, die sie nach ihren Vorstellungen und Bedürfnissen mitgestalten können. So können sie ein positives Gefühl für ihre Stadt entwickeln und ihre Heimat toll finden. Ja klar, es ist ein Experiment, es kann auch schief gehen! Es kann für jeden einzelnen aber auch Kräfte freisetzen, von denen wir alle profitieren werden.

Wir brauchen gegen unser Schneller-Höher-Weiter-Denken eine starke Opposition, die unser Denken wieder ins Lot bringt. Wir brauchen eine junge Szene, die fröhlich, energievoll, frech und anders ist als wir! Sie sollen ihre Zeit nicht mit dem Verwalten von Schulden vergeuden und daher eine frustrierte Verhinderungspolitik betreiben. Alles was wir jetzt verhindern und nicht nach vorne denken, nimmt uns die Chance auf Entwicklung. Liebe Politik, alle Entscheidungen, die sie heute treffen, machen sie nicht für sich selbst, sondern für alle kommenden Generationen.

Ich habe völliges Unverständnis für das Ablehnen der JGA mit Schwerter Beteiligung, denn in solchen Anträgen steckt die Möglichkeit zukunftsbringende und nachhaltige Konzepte umzusetzen. Warum nicht hier?

Ihr Jörg Rost