Pläne zur Friedhofsschließung: Der Bürgerprotest wird lauter

Wandhofen. (NO) Die nicht nur die Trauerhalle, sondern auch
den Friedhof in Wandhofen betreffenden Schließungspläne sorgen für immer mehr
Unmut. Nicht nur Wandhofener, sondern auch Bürger in umliegenden Stadtbereichen,
die ihre Angehörigen in Wandhofen bestattet haben, fühlen sich betroffen und
äußern Kritik. Wobei auch beanstandet wird, dass die Öffentlichkeit viel zu spät
von den allerdings noch nicht ganz spruchreifen Plänen erfahren habe.
Maßgeblich für Öffentlichkeit gesorgt hat, wie bereits berichtet, Dieter
Schmikowski, der mehr als 25 Jahre für die SPD im Rat der Stadt aktiv war und
noch nicht verlernt hat, Strippen zu ziehen. Schmikowski bezieht sich auf den
Entwurf einer Beschlussvorlage, den die interfraktionelle Arbeitsgruppe
Friedhöfe in einer ihrer Sitzungen zum Zweck von Kostenersparnissen erarbeitet
hat. Danach sollen Friedhof und Trauerhalle in Wandhofen schon zum 1. Januar
2017 geschlossen werden. Die AG Friedhöfe hat jedoch noch keinen abschließenden
Vorschlag erarbeitet und auch noch keine politische Diskussion eingeleitet.
Nachfrage rückläufig
Der Trend der heimischen Bestatter, eigene Räumlichkeiten für Trauerfeiern
vorzuhalten, führe bei allen städtischen Trauerhallen zu einer rückläufigen
Nachfrage, heißt es in der Begründung. Dieses treffe insbesondere auf die
Trauerhalle in Wandhofen zu. Hinsichtlich der verhältnismäßig geringen Nutzung
der Trauerhalle Wandhofen sei auch die Zahl der Sargbestattungen und
Urnenbeisetzungen auf dem Friedhof Wandhofen in Relation zu den vier anderen
städtischen Friedhöfen die deutlich geringste. „Das muss man aber auch im
Verhältnis zur Einwohnerzahl sehen“, bemerkt Schmikowski.
Gemeinsam aktiv werden
Mittlerweile haben sich etliche Bürgerinnen und Bürger nicht nur aus
Wandhofen vernetzt, um sich gemeinsam gegen die Schließungs- und Abrissabsichten
zu positionieren. So beispielsweise Gabi Weck und ihre Mutter Erika Weck,
geborene Hedtfeld. Gabi Weck: „Meine Oma und mein Papa liegen auf den Friedhof,
meine Großmutter auch, und meine Mutter hat vor noch gar nicht so langer Zeit
eine Urnengruft erworben. Was passiert damit?“ Im Falle der Schließung des
Friedhofs stellt sich zudem die beklemmende Frage: Was geschieht mit den
Beigesetzten? Umbettungen würden die Stadt teuer zu stehen kommen. Würde sich
also unter dem Strich die ganze Aktion überhaupt lohnen? Von der Störung der
Friedhofsruhe und den emotionalen Turbulenzen ganz zu schweigen.
Abreißen – keine Lösung
Dieter Schmikowski – und damit steht er nicht allein – findet es
„befremdlich, dass wieder ein Stück Infrastruktur so sang- und klanglos aus
Wandhofen verschwinden soll, ohne dass darüber ausführlich gesprochen wird.“
Bedauerlich sei, dass weder die Verwaltung, noch die Politik sich über
eventuelle anderweitige Nutzungen der Trauerhalle Gedanken gemacht hätten.
Schmikowski regt an, den Wandhofener Friedhof in kleinerer Form weiter zu
betreiben und die Trauerhalle in eine Trägerschaft durch einen Verein oder einer
Institution zu übergeben. Als lohnenswertes Baugrundstück würde sich das
Friedhofsterrain ohnehin kaum eignen.
Private hinzuziehen
Schmikowski gibt zu Bedenken: „Was wäre denn, wenn man die geschätzten
Abrisskosten in Höhe von etwa 72.000 Euro – ohne eventuelle vorhandene Altlasten
zu berücksichtigen – in eine schon lange fällige Sanierung stecken würde? Der
von der Verwaltung geschätzte Sanierungsaufwand in Höhe von 130.000 Euro,
scheint mir doch sehr hoch gegriffen zu sein. Das können Private wesentlich
kostengünstiger durchführen lassen. Auch die jährlichen Betriebskosten von rund
4200 Euro könnten erheblich geringer ausfallen, wenn das privat geregelt wird.
Eine generelle Schließung wäre jedoch die schlechteste Alternative.“
Unterschriftenaktion
Mittlerweile wurde eine Unterschriftenaktion zum Erhalt des Wandhofener
Friedhofs samt Trauerhalle ins Leben gerufen. Die erste Unterschriftenliste
wurde vor einer Woche im Haarstudio A-M an der Strangstraße 29 ausgelegt,
weitere folgen, denn immer mehr Wandhofenerinnen und Wandhofener sind nun dabei,
den Bürgerprotest auszuweiten. Dieter Schmikowski wird zudem am kommenden
Wochenende beim Weihnachtsmarkt der Wandhofener Schützen eigens mit einem
Infostand vertreten sein, ebenfalls Unterschriftenlisten auslegen und
interessierte Bürger vor Ort über das weitere Vorgehen gegen die
Schließungspläne informieren.