Schwerte und Pjatigorsk, Teil II

Schwerte/Pjatigorsk. (NO) Die Beziehungen zu Pjatigorsk in der Russischen Föderation auszubauen, neue Kontakte zu knüpfen, Voraussetzungen zu schaffen für einen erweiterten, freundschaftlichen Austausch: mit dieser „Mission“ reisten kürzlich Carsten Morgenthal, Stadtpressesprecher, Ulrich Kopitz, Beiratsmitglied im Städtepartnerschafts-Verein, und Norbert Fendler, Vereinsmitglied, in die Stadt im Nordkaukasus. Und fanden dort offene Ohren. Herrscht derzeit Eiszeit auf höchster politischer Ebene, ist auf zivilgesellschaftlicher, bürgerschaftlicher Basis eine Kooperation durchaus erwünscht. Sonst wäre der Besuch auch nicht zustande gekommen.

Hier nun Teil 2 des Reiseberichts …

Der Neuanfang ist gemacht

Die kleine Schwerter Delegation freute sich, in Darya Babicheva von der Administration Pjatigorsk eine Ansprechpartnerin zu finden, die einer Neuauflage der Partnerschaft positiv gegenübersteht. Fortan wird sie sich in Zusammenarbeit mit Dr. Natalia Kaschirina von der Staatlichen Linguistischen Universität Pjatigorsk auf russischer Seite um die Kontaktpflege kümmern. Letztgenanntem Institut und nicht zuletzt Uli Kopitz‘ „heißem Draht“ zur Uni war es letztendlich zu verdanken, dass eine Einladung ausgesprochen wurde und die Schwerter Quartier im Wohnheim auf dem Universitätsgelände beziehen konnten.

Interesse an einer Zusammenarbeit

Wie bereits in Teil 1 des Reiseberichts erwähnt, wurde den Gästen Gespräche mit der Universitätsleitung, Studenten und Schülern sowie nicht zuletzt Journalisten der Prawda-Gruppe möglich gemacht. Viel versprechend gestaltete sich die Unterredung mit dem Rektor der renommierten Staatlichen Universität Pjatigorsk, Prof. Dr. Alexander P. Gorbunov, und Prof. Dr. Victor E. Mishin, Direktor für Internationale Beziehungen, der erst vor wenigen Tagen per Mail nochmals sein Interesse an einer bildungspolitischen Zusammenarbeit mit Schwerte bekundete. Obwohl man hier fairerweise anmerken muss, dass in Schwerte eine Einrichtung vom Format der Pjatigorsker Linguistischen Universität nicht zu finden ist und die Stadt selbst nahezu dreimal so viele Einwohner hat wie Schwerte. Doch möglicherweise lassen sich von der Ruhr aus weiterführende Kontakte zu Einrichtungen in der Region knüpfen.

Im Rahmen des weiteren Austauschs könnte auch das Twinning-Modell zur Anwendung kommen. Gedacht als Brücke zwischen Mitgliedern verschiedener Institutionen auf der Ebene des Länderaustauschs, könnten danach, auf lokale Ebene heruntergebrochen, junge Auszubildende aus Pjatigorsk Praktika bei Schwerter Unternehmen absolvieren, die ihrerseits von einem Studierenden des Faches Deutsch begleitet werden.

Einen besonders herzlichen Empfang bereiteten die Schüler/innen und Lehrkräfte der Unesco-Projektschule Nr. 12 den Schwerter Gästen. (Foto: Natalia Kaschirina)
Einen besonders herzlichen Empfang bereiteten die Schüler/innen und Lehrkräfte der Unesco-Projektschule Nr. 12 den Schwerter Gästen. (Foto: Natalia Kaschirina)

Ansprechende Lernatmosphäre

Besonders beeindruckt waren die Gäste aus Schwerte von der Ausstattung und den ansprechenden Räumlichkeiten an der Uni, in der neben Deutsch auch weitere Fremdsprachen gelehrt werden. So sind die Unterrichtsräume der Sprachstudenten liebevoll landestypisch gestaltet – unter anderem mit Kaaba, Davidsstern, Freiheitsstatue, Big Ben, Polnischem Adler: eine international geprägte Lernatmosphäre mit einer freundlichen und wissensdurstigen Studentenschaft, die großes Interesse daran hat, über den eigenen Tellerrand zu blicken.

Austausch erwünscht

Beindruckt war die kleine Schwerter Delegation auch vom Besuch des Instituts für romano-germanische Sprachen – dort werden, teils im Zusammenwirken mit der deutschen Gemeinde in Pjatigorsk, auch deutsche Traditionen gepflegt, und der Visite der Unesco-Projektschule Nr. 12. Hier hatten die Schülerinnen und Schüler mit den Lehrkräften neben einer computergestützten Stadtpräsentation auch ein kleines „Länderquiz“ vorbereitet. Am Schluss gab es einen Liedbeitrag auf Deutsch, dem sich ein berührender Friedensappell der Schülerschaft anschloss. Zudem haben Schülerinnen und Schüler den Wunsch geäußert, mit jungen Schwertern in Kontakt zu treten, ebenso etliche Sprachstudenten. Der Austausch (zunächst per Mail etc.) dürfte zumindest sprachlich nicht schwierig sein, alle sprechen hervorragend Deutsch.

Neben allen offiziellen Terminen hatte die Schwerter Delegation im Rahmen der Besuchswoche aber auch noch ein wenig Zeit für ein „Gipfeltreffen“ auf dem Stadtberg Maschuk, einen Sportplatzbesuch und einen Streifzug durch die sehr lebenswerte, grüne und facettenreiche Stadt Pjatigorsk. Was allerdings eindeutig zu kurz kam, waren private, gesellige Zusammenkünfte, die sich erfahrungsgemäß besonders für die Vertiefung von (Städte-)Partnerschaften eignen. Das sollte im nächsten Jahr nachgeholt werden.

Wer macht mit?

Nun allerdings bleibt viel zu tun, dem Anstoß zu einer Neuauflage der Partnerschaft zwischen Schwerte und Pjatigorsk weitere Impulse zu verleihen. Ganz oben auf der Liste steht ein Gegenbesuch aus Pjatigorsk im Zeitraum Oktober/November, wofür die Stadt Schwerte als offizieller Gastgeber noch Einladungen aussprechen muss. Ein entsprechendes Dokument soll bei der Internationalen Städtepartnerschaftskonferenz, die in drei Wochen in Karlsruhe stattfindet, von Bürgermeister Heinrich Böckelühr an Darya Babicheva und Natalia Kaschirina, die mit Uli Kopitz an der Veranstaltung teilnehmen, übergeben werden. Zudem werden Mitstreiter und Sponsoren für den Neustart des Partnerschaftsprojekts Schwerte – Pjatigorsk gesucht.