Schwerter „Glücksbringer“

Schwerte. (Red.) Voller Vorfreude betritt Ben (Name geändert) zum ersten Mal die Trainingshalle. Der Boden ist mit dicken Matten ausgelegt. Einer der Trainer kommt lächelnd auf den Neuankömmling in T-Shirt und Jogginghose zu, begrüßt den 15-Jährigen herzlich und erklärt ihm, wie eine Trainingsstunde abläuft. Langsam kommen auch die übrigen Trainierenden in die Halle – darunter sein Klassenkamerad Tobias (Name geändert), der ihm auf die Schulter klopft – und schon kann es losgehen.

Nach dem Aufwärmprogramm zeigt der Trainer Ben Grundstellungen, die ersten Handgriffe und gibt bei Partnerübungen Tipps, worauf der Einsteiger achten soll. Nach einer Stunde Training würde Ben am liebsten weitertrainieren, doch das geht erst wieder in einer Woche. Beim Umziehen kann er es noch gar nicht fassen. Sein Traum, Karate lernen zu dürfen, ist endlich wahr geworden.

Träume werden wahr

Möglich geworden ist dieser Traum durch die finanzielle Unterstützung eines Schwerter Unternehmers, der die Vereinsgebühren für Ben übernommen hat. Und durch die Initiative von Martina Hohnstädter, denn sie hat die beiden zusammengebracht. Das Geld für die Vereinsmitgliedschaft konnte Bens Familie nicht aufbringen. Ihr geht es wie zahlreichen weiteren Familien finanziell so schlecht, dass sie selbst eine Mitgliedschaft in einem Sportverein nicht stemmen kann.

„Von einer unbeschwerten Kindheit ist der Nachwuchs in solchen Familien leider weit entfernt“, sagt Martina Hohnstädter. Weil sie an diesem Zustand etwas ändern möchte, hat sie das Projekt Glücksbringer ins Leben gerufen.

Familien unterstützen

„Mit diesem Projekt haben Bürger und Unternehmer die Chance, sich direkt vor Ort sozial zu engagieren und Kindern und Jugendlichen aus einkommensschwachen Schwerter Familien ihren Herzenswunsch zu erfüllen“, so Martina Hohnstädter, die selbst Mutter einer Tochter ist. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie schrecklich es für die Eltern ist, ihren Kindern nicht die Unterstützung bieten zu können, um deren sportliche, musikalische oder kreative Fähigkeiten zu fördern oder um einfach etwas gemeinsam mit Freunden zu unternehmen.“

Ausreden

Ebenso schwierig ist es für die Kinder und Jugendlichen, mit der Situation umzugehen. Kaum jemand gibt gerne zu, dass er sich Dinge einfach nicht leisten kann, die für Gleichaltrige selbstverständlich sind. „Nicht wenige Kinder erfinden Ausreden oder behaupten, keine Lust zu etwas zu haben, nur weil sie nicht möchten, dass andere von ihren finanziellen Schwierigkeiten erfahren“, weiß Maria Keuthen, zuständig für das Projekt Netzwerk Familienpatenschaften des Arbeiterwohlfahrt-Familienzentrums für Bildung und Lernen im Kreis Unna.

Zusammenarbeit mit Familienpaten

„Wir arbeiten wir sehr eng mit den Familienpaten der AWO zusammen“, verrät Martina Hohnstädter. „Zu ihnen haben die Familien Vertrauen und sie wissen daher auch, wo Bedarf besteht und welche sportlichen, kreativen oder musischen Aktivitäten der Nachwuchs gerne ausüben würde.

Wer eine solche Aktivität für ein Kind oder einen Jugendlichen übernehmen möchte, kann sich bei Martina Hohnstädter unter Tel. 02304/ 9829591 oder per E-Mail unter info@raum-service.de melden.

Gemeinsam wird dann besprochen, wie hoch die Kosten für Kurs, Unterricht oder Vereinsmitgliedschaft sind und in welcher Höhe sich der Glücksbringer engagieren möchte. Hat sich der Glücksbringer entschieden, erhält er einen kurzen Infobrief mit dem Vornamen des Kindes und seinem sozialen Hintergrund. Mindestens dreimal im Jahr erhält der Glücksbringer darüber hinaus eine schriftliche Stellungnahme, welche Fortschritte das Kind gemacht hat.