Schwerter Rathaus II

Schwerte. (Red.) Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe hat die Absicht geäußert, auf dem Gelände des Rathauses II ein Wohnheim mit 24 stationären Plätzen für psychisch Kranke zu errichten. Einen entsprechenden Beschluss zugunsten der vom Landschaftsverband angestrebten Bebauung hat der Jugendhilfe- und Sozialausschuss bereits in seiner Sitzung im November 2010 gefasst.

Bei dem beabsichtigten Wohnheim handelt es sich ausschließlich um eine Einrichtung für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Die Unterbringung von Menschen aus der forensischen Psychiatrie ist ausgeschlossen.

Interessante Perspektiven

„Die Baumaßnahme wird von der CDU-Fraktion ausdrücklich begrüßt“, erläutert der Vorsitzende der CDU-Fraktion Marco Kordt. „Nunmehr muss jedoch der neuen Entwicklung Rechnung getragen werden, da der LWL aus finanziellen Gründen nur noch eine Grundstückshälfte der insgesamt rund 4000 Quadratmeter großen Fläche erwerben kann.“

Hier entwickeln sich nach Auffassung des CDU-Fraktionschefs interessante Perspektiven, da sich der Psychosoziale Trägerverbund Dortmund GmbH (PTV) ins Gespräch gebracht und seine Kauf- und Nutzungsabsichten in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfe- und Sozialausschusses vorgetragen hat.

Multifunktionale Nutzung

„Der Psychosoziale Trägerverbund plant auf der anderen Grundstückshälfte Wohngebäude für reine Wohnzwecke“, erläutert Kordt. Ziel sei eine gemeindenahe Unterstützung behinderter Menschen durch Bereitstellung und Ausstattung von bezahlbarem Wohnraum. Angesprochen werden laut PTV vor allem solche Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen keinen oder sehr erschwerten Zugang zum allgemeinen Wohnungsmarkt haben.

Sollten LWL und PTV ihre Bauabsichten auf dem Gelände Rathaus II so umsetzen wie geplant, ergibt sich eine interessante multifunktionale Nutzung dieses Areals. Zu einem Informationsaustausch zwischen den aktuellen Anbietern vor Ort, dem LWL und der PTV GmbH lädt die Stadt Schwerte für Anfang März ein.

Grüne befürchten Schnellschüsse

„Nachdem der Landschaftsverband Westfalen Lippe nur noch an der Hälfte des Grundstücks am Rathaus II interessiert ist, erscheint der Verkauf der zweiten Hälfte an den Psychosozialen Trägerverbund PTV als einfache und schnelle Lösung“, kommentieren die Grünen die Planungen für das Rathaus II-Areal.

Besteht Bedarf?

Es stelle sich jedoch die Frage, ob die Menschen, die in den eigenen vier Wänden leben und ambulant betreut werden, überhaupt umziehen und am Rande der Stadt neue Kontakte knüpfen möchten. Wäre es für sie nicht einfacher, in ihrem sozialen Umfeld zu bleiben, mit Nachbarn, die ihnen vertraut sind?

Kein Interesse an Zusammenarbeit

„Fachkräfte der freien Träger in Schwerte und fachlich versierte Politikerinnen und Politiker haben im Sozialausschuss berechtigt Bedenken geäußert. Bisher wurde vom LWL kein Interesse signalisiert, mit den Akteuren vor Ort zusammenzuarbeiten. Schwerte verfügt über bewährte Unterstützungssysteme, bedarfsorientiert und wohnortnah. Es gilt zunächst zu überprüfen, ob tatsächlich weiterer Bedarf besteht und nicht nur bestehende Strukturen in Schwerte gefährdet werden,“ so Monika Demant, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen.

Vor dem Hintergrund der Haushaltssanierung locke natürlich die Möglichkeit, die zweite Grundstückshälfte umgehend zu verkaufen. Das sei verständlich, sollte jedoch die inhaltliche Auseinandersetzung nicht verhindern.