Seit 21 Jahren mit dem wk von Haus zu Haus

Schwerte. (NO) Renate Neuhaus steht mitten im Leben. Die 73-Jährige, die an der Ostberger Straße wohnt, ist Mitglied in der örtlichen Vogel- und Naturschutzorganisation AGON, zieht beim Frühschwimmen im Elsebad ihre Runden, mag und spricht Holländisch und kümmert sich um die Kinderkirche im Paul-Gerhard-Haus. Das ist noch nicht genug. Nebenher verteilt Renate Neuhaus noch den wochenkurier. Unermüdlich und verlässlich – seit über 21 Jahren.

Mutter macht weiter

Renate Neuhaus‘ „Karriere“ als wk-Botin begann am 1. Juli 1992. „Damals verteilte eine Schulfreundin meiner Tochter den wochenkurier, dann übernahm meine Tochter diese Aufgabe in unserer Nachbarschaft, sie gab ihn später an meinen Sohn weiter, und als er auch keine Zeit mehr hatte, ging der Job auf mich über. So einfach war das“, erinnert sich Renate Neuhaus schmunzeln. Und auch daran, dass früher die Prospekte noch von den Boten einsortiert werden mussten. Das war dann weniger prickelnd.

Glückliche Jahre

In der Nachbarschaft ist die vielseitige Schwerterin bekannt wie ein bunter Hund. Nicht jeder mag sich so nennen lassen, die Tierfreundin jedoch – bei ihr zu Hause an der Ostberger Straße leben neben Katze Nelli noch zwei Kanarienvögel und vier Zebrafinken – nimmt‘s als Kompliment und lacht. Was sie oft und gerne tut, auch wenn sie an die fernere Vergangenheit denkt. Die gebürtige Berlinerin wollte eigentlich Chemielaborantin werden, landete dann aber in der Autobranche bei Ford und absolvierte in Frankfurt eine Ausbildung bei der Lufthansa. Beruflich war Renate Neuhaus dann etliche Jahre in der Frachtabteilung der Air Canada tätig und nutzte die Gelegenheit zu etlichen Fernreisen. Sie hat was gesehen von der Welt. „Das waren meine glücklichsten Jahre!“

Schönes Schwerte

Nach der Heirat mit ihrem im vergangenen Jahr verstorbenen Mann ging es nach Schwerte an die Ostberger Straße. Hier kamen auch ihre beiden Kinder zur Welt. „Eigentlich wollte ich lieber an die Küste, aber an der Ruhr ist es ja auch ganz schön, Schwerte ist nicht zu groß und nicht zu klein und viel Natur gibt es hier auch“, ist Renate Neuhaus mit ihrem Wohnort ganz zufrieden.

Bezahlter Spaziergang

Schwerte und vor allem ihr Verteilgebiet – die Messingstraße und das Industriegebiet Binnerheide – kennt sie wie ihre Westentasche, das bringt der Job als als wochenkurier-Botin so mit sich. Und der macht immer noch Freude, auch noch nach 21 Jahren. „Für mich ist das Austragen ein bezahlter Spaziergang“, lacht die lebenslustige Seniorin, „und darüber hinaus ein Nachbarschaftsdienst.“

Man kennt sich

In ihrem „Revier“ ist Renate Neuhaus längst zur Institution geworden. „Man kennt mich, ich kenne die Leute, und für einen Plausch auf dem Weg bleibt auch immer noch Zeit“, so die „alt gediente“ Verteilerin. Die sich besonders darüber freut, dass die Anwohner in ihrem Verteilgebiet für sie auch Hausmittel und Ratschläge parat haben, wenns mal zieht und zwackt.

Tier-Freunde

Besondere Freude hat die Tierfreundin auch an den vierbeinigen Bewohnern ihrer Nachbarschaft, die sie zwangsläufig regelmäßig trifft. Da ist zum Beispiel der Labradormischling Balko, der „halbe Husky“ Kaya, Holly, „eine Art Neufundländer“, Lotta und Louis und die Katze Fleckchen. Und auch die „Spatzenbäume“ sind Renate Neuhaus ans Herz gewachsen. Spatzenbäume? „Ja, die stehen oben und unten an der Messingstraße und da ist immer ein Gezwitscher, dass einem das Herz lacht!“ Auch für die Botanik hat die wk-Botin von der Ostenstraße ein offenes Auge. Im Industriegebiet findet man am Wegesrand beispielsweise den breitblättrigen Sumpfwurz, „das ist eine einheimische Orchideenart!“

Weitermachen!

Das Leben ist schön, wenn man was daraus macht, weiß die 73-Jährige. Und so wie es jetzt läuft, kann es gerne auch die nächsten Jährchen weitergehen. Auch die wochenkurier-Verteilung? „Na klar“, lacht Renate Neuhaus. „Das bin ich doch der Nachbarschaft schuldig!“