Spielplatz-Kahlschlag in Holzen

Schwerte. (NO) Gleich vier Spielplatz-Schließungen in Schwerte-Holzen. Ist das nicht etwas viel? Diese Frage stellte sich jetzt auch Diplom-Pädagogin Tina Kundt angesichts des „platt gemachten“ Spielplatzes Am Zimmermanns Wäldchen und beschwerte sich bei der Stadt Schwerte. Die hat aber schon längst das Aus auch für die Flächen Zum Prinzenwäldchen , Im Rosengrund und am Karl-Marx Weg beschlossen – unter anderem.

Kosten sparen

Hintergrund: Schon in seiner Sitzung am 13. Juni hatte der Rat die Reduzierung von Spielplatzflächen beschlossen, wobei festgestellt wurde, dass sich gemäß Berechnungsgrundlage von 1,3 Quadratmetern pro Einwohner ein Spielflächenbedarf von rund 65.000 Quadratmetern ergebe. Es seien jedoch Spielflächen von 79.693 Quadratmetern vorhanden. Diese Zahl wurde dann auf 77.225 Quadratmeter reduziert.

Laut Sitzungsvorlage können durch Schließungen im laufenden Jahr die Unterhaltskosten für Spielplätze um 20.000 Euro und in 2014 um 40.000 Euro gesenkt werden. Deshalb gilt das Aus auch für Ruhrblick II in Villigst (der Spielplatz am Caspar-Esser-Platz in Villigst soll an die Grundschule Villigst übergeben werden), für den Platz am Schumannweg in Ergste und den An der Schützengräfte in Westhofen, die Fläche an der Feldstraße in Holzen/Lenningskamp sowie die an der Theodor-Heuss-Straße in Geisecke.

Kleiner Trost: Den Spielplatzpaten „An der Schützengräfte“ und „Theodor-Heuss-Straße“ sollen Patenschaften anderer Spielplätze im jeweiligen Stadtteil angeboten werden.

Unverständlicher Beschluss

Viele Kinder und Eltern sind vom Spielplatz-Streichprogramm betroffen – besonders natürlich in Holzen. „Wie kann es sein, dass der Jugendhilfeausschuss dem absolut unverständlichen Beschluss zustimmen konnte, hier gleich vier Spielplätze zu schließen?“, fragt sich die Anwohnerin Tina Kundt und gibt zu bedenken: „Der Spielplatz Am Zimmermanns Wäldchen war eine sehr gut frequentierte Anlaufstelle für viele Kinder, Kleinkinder und Eltern. Die Möglichkeit zu schaukeln, zu wippen, zu klettern ist im nähren Sozialraum (vor allem für Kinder im Kleinkindalter nun nicht mehr möglich.“

Wichtig für Entwicklung

In ihrer Beschwerde an die Adresse der Stadt Schwerte fährt die Diplom-Pädagogin fort: „ Sicherlich liegt es in Ihrer Kenntnis, dass mehrere Studien zu dem Ergebnis kamen, dass der Spielplatz ein wichtiger Ort für die Entwicklung der Kinder außerhalb des häuslichen Bereiches ist. Die meisten Formen des Spiels sind für gesunde Entwicklung wesentlich, aber freies, spontanes Spiel, wie es auf Spielplätzen auftritt, ist die vorteilhafteste Art.“

Anregungsarm

„Die angrenzenden GWG-Spielplätze in Holzen sind sicherlich kein Ersatz für den abgerissenen Spielplatz. Dort gibt es lediglich ein Trampolin oder alternativ einen überdimensionalen ,Eimer‘ aus Metall. Anregungsarme Spielplätze verstehe ich jedenfalls nicht als Alternative für eine kinderfreundliche Stadt, wie Schwerte es eigentlich sein sollte!“

Abschließend bittet Tina Kundt die Stadt Schwerte, eine Möglichkiet der Reaktivierung des abgerissenen Spielplatzes am Zimmermanns Wäldchen als ein Ort der Kreativität und Sozialisation in Holzen in Betracht zu ziehen. Alternativen wären jedoch auch für die anderen Standorte bedenkenswert.

Patenschaften – die Alternative?

Wie könnte ein Spielplatz erhalten werden? Denkbar sind Patenschaften von Eltern und Anwohnern mit der Unterstützung von Sponsoren, wie sie mit dem Spielplatz „Am Derkmannsstück“ in Ergste praktiziert wird. Vor rund zweieinhalb Jahren sollte der Platz laut Konzept der Stadtverwaltung wie einige andere geschlossen werden. In einer spontanen Aktion schlossen sich mehrere Anwohner zu einer Initiative für den Erhalt zusammen. Letztendlich konnte der Platz nicht zuletzt durch die Unterstützung von Sponsoren erhalten und sogar neu ausgestattet werden. Ein Vorbild? Klar ist: Spielplätze brauchen Freunde. Ohne Bürgerengagement wird auch in diesem Bereich in Zukunft nicht mehr viel laufen.