Sup Peiter: Schräpper, Pils und heißer Ofen

Am Samstag, 18. Februar, rufen die „Uträupers“ in der Alten Freiheit wieder Westhofens größten Männer-Feiertag aus. (Foto: DuH)

Westhofen. (NO) Wieder ein Jahr rum: Sup Peiter, Westhofens größtes Männerfest, steht bevor. Davon künden am Samstag, 18. Februar 2012, die Ausrufer auf dem Marktplatz der alten Freiheit. Mit Tröten und Trompeten, Trommel, Horn und Glocke machen die „Uträupers“ Alarm und ziehen dann unüberhörbar durch die Nachbarschaft. Freundliche Nachbarn reichen stärkende Getränke, damit das Schmuddelwetter nicht gar so bitter empfunden wird.

Nächsten Samstag wird gefeiert

Am Festtag selbst – in diesem Jahr am Samstag, 25. Februar – feiern die drei Nachbarschaften jeweils getrennt in ihren jeweiligen Stammquartieren. Die Niederste im Feuerwehrgerätehaus, Westeneicken im evangelischen Gemeindehaus und die Ostenpote im katholischen Gemeindehaus. Beginn ist um 20 ist der Beginn . Der Vorstand der Nachbarschaft marschiert ein und nach den Regularien sowie der Wahl eines oder mehrerer „Täpper“ (Bierzapfer) gibt es das erste kühle Pils.

Verdiente Westhofener werden auch diesmal wieder mit dem Mettwursorden geehrt. (Foto: Norbert Fendler)

Bei den Sachsen fing es an

Der Ursprung des heutigen Sup Peiter lässt sich darauf zurückführen, dass die sächsischen Urbewohner acht Wochen nach der Wintersonnenwende (21. Dezember) am 22. Februar, mit dem Wotans- bzw. Odinstag, das Ende des Winters feierten. Sie zündeten ein großes Feuer an und hielten ihr „kleines Thing“ ab. Auf dem Thing wurde der Älteste, der Häuptling, für ein Jahr gewählt und kleinere Vergehen wurden durch ein unteres Gericht geahndet. Später wurde aus dem Wotans- oder Odinstag ein christliches Fest zu Ehren der Stuhlbesteigung des Petrus, der St. Peterstag (St. Petri Stuhlfeier). Mit dem Sup Peiter haben die Westhofener Vorfahren den ursprünglichen Inhalt der Männerversammlung bis in die Gegenwart hinübergerettet.

Geselligkeit zählt

Die jährlichen Zusammenkünfte haben im Lauf der Zeit, ähnlich wie im benachbarten Schwerte, immer mehr den Charakter der Geselligkeit angenommen. Trotzdem wird aber dabei am alten Brauchtum, an alter überlieferter Sitte festgehalten: Die drei Nachbarschaften haben gemeinsam je einen Oberschräpper oder Nachbarschaftsrichter und jede Nachbarschaft seine Schräpper oder Richter.

Auch bei der Niederste Nachbarschaft wird vom Schräpper wieder Geld für die Nachbarschaftskasse eingetrieben. (Foto: Norbert Fendler)

Schräpper in Aktion

Nach der Parole: „Am Ollen hollen“ wachen sie über die Pflege und strikte Einhaltung des alten Nachbarschaftsbrauchtums. Oberschräpper, Schräpper und die übrigen Vorstandsmitglieder haben dann diesen Jahrhunderte lang gepflegten Brauch gut vorbereitet. In zünftiger Weise verhandeln dann Westhofens Männer bis spät in die Nacht und bis zum frühen Morgen die Angelegenheiten ihrer Nachbarschaft. Es wird der Jahresbericht der Nachbarschaft verlesen, die Kassenverhältnisse klargelegt, die verstorbenen Nachbarn des Jahres geehrt, Jubilare ausgezeichnet und nach uralter Brauch geschrappt, damit die Kasse der Nachbarschaft sich wieder anfüllt für das nächste Jahr und nächste Nachbarschaftsfest.

Vor dem Ofen

So mancher Westhofener hat schon geschwitzt, wenn er vom Schräpper, Ankläger und Rechtsprecher in einer Person, „in die Zange“ genommen und immer näher an den Ofen gerückt wurde. Besonders Spaß macht die Angelegenheit, wenn sich der „Deliquent“ wehrt. Dann muss der Schräpper seinen Mutterwitz spielen lassen, um dem Befragten möglichst viel „Winngeld“ für die Nachbarschaftskasse abzupressen. Bei diesem Spektakel kommt natürlich auch das leibliche Wohl nicht zu kurz – verpflegt werden die Männer traditionell mit leckerem Pfefferpotthast und natürlich reichlich Bier

Mettwurstorden

Verdiente Nachbarn werden auf Sup Peiter auch geehrt. Ihnen wird der „Graute Sup-Peiter-Orden“ verliehen. Das ist eine mehr als einen Meter lange Mettwurst mit anderem Wurstwerk, das dem Geehrten vom Schräpper über die Schultern gelegt wird.