Theater am Fluss: Vorhang auf zur Jubiläumsspielzeit

Hereinspaziert! In eigenen Räumen in der Halle 4 der Rohrmeisterei begrüßt das Team des Theaters am Fluss um Intendant Lars Blömer künftig die Besucher. Schon am 28. September ist die erste Premiere geplant. (Foto: A. Schneider)

Schwerte. (as/Red.) Es gibt Geburtstagswünsche, von denen man noch nicht einmal zu träumen wagt. Sie sind zu gewagt, viel zu vollkommen, um tatsächlich wahr werden zu können. Der Traum einer Laien-Theatergruppe nach einer eigenen Spielstätte beispielsweise. Doch genau dieser ein Wunsch hat sich für die Mitglieder des Theaters am Fluss, kurz T.a.F., nun erfüllt. Intendant Lars Blömer und sein Team proben und spielen ab sofort im eigenen Haus. Pünktlich zum fünften Geburtstag verfügt das Theater am Fluss über eine eigene Spielstätte. Große Banner an den Seitenwänden und ein Schild über dem Eingangsbereich der Halle 4 der Rohrmeisterei weisen auf die neuen Hausherren und -damen hin. Im Theatersaal, im Foyer und in den für den Spielbetrieb erforderlichen Nebenräumen darf das T.a.F.-Team jetzt ganz allein schalten und walten – dauerhaft und mietfrei. Tobias Bäcker von der Bürgerstiftung Rohrmeisterei übergab jetzt die Schlüssel an T.a.F.-Intendant Lars Blömer und seine Mitstreiter.

Es ist eine besondere Art der Kulturförderung. Doch Tobias Bäcker, selbst alter Theatermann, schätzt die gute Arbeit des Theaters am Fluss: „2007 ins Leben gerufen als Kulturprojekt der Rohrmeisterei, ist es dank seiner Energie und Eigenständigkeit aus unserem Kulturprogramm nicht mehr wegzudenken“, sagt er. Und er weiß auch: Gute Theaterarbeit ist teuer. Kulturveranstaltungen wie das Theater lassen sich ohne Sponsoren und Förderer kaum realisieren. Hier springen die Stadtwerke Schwerte mit einem zweiten Geburtstagsgeschenk für das T.a.F. ein. Sie haben für die neuen Banner an der Halle 4 gesorgt, die nun auf das Theater am Fluss hinweisen, und sie wollen jährlich einen festen Geldbetrag überweisen, um so die Theaterarbeit zu unterstützen. Einen Vorteil für künftige Theater-am-Fluss-Besucher gibt’s obendrein: Ruhrpower-Card-Inhaber erhalten künftig einen Rabatt von zehn Prozent.

Ansprechpartner für Veranstaltungen

Viel ändert sich für die Macher des T.a.F. – einiges bleibt. So wird weiterhin in der Theaterwerkstatt in Villigst geprobt. Doch nun haben die Schauspieler viel eher die Möglichkeit, Bühnenproben am Aufführungsort zu organisieren. Verwaltungsarbeit kommt auf die Darsteller zu. Denn sie sind jetzt Ansprechpartner für Vereine und Organisationen, die gemeinnützig-kulturelle Veranstaltungen in der Halle planen. Mit dem Einzug des T.a.F. in die Halle 4 wird übrigens niemand verdrängt: Türkischer Elternverein und Interkulturelle Mutter-Kind-Gruppe nutzen nach wie vor die Räume im Obergeschoss.

Es ist ein Geburtstag nach Maß. Mit den Planungen für die Jubiläumsspielzeit scheinen die Macher des Theaters am Fluss allen Schwertern ein großes Dankeschön für das Vertrauen auszusprechen. Denn in dieser Jubiläumssaison stehen neun Neuproduktionen auf dem Spielplan. In einer bisher nicht bebonenen Bandbreite schlägt das Theater am Fluss einen großen Bogen vom Kinderstück bis zur Musikgroßproduktion, vom Drama bis zur schwarzen Komödie, vom Lyrikabend bis zum Experimentalstück.

Vorhang auf zur Jubiläumsspielzeit: Auftakt bildet die Premiere von Georg Büchners Klassiker „Woyzeck“ am 28. September 2012 in einer, wie Theater-Medien-Mann Lothar Schwengler sagt, „radikal-blutigen Neuinszenierung“. Mit „Johnny zieht in den Krieg“ kehrt ein Highlight der vergangenen Saison zurück auf den Spielplan. Dieses Stück hatte im T.a.F. exklusiv seine deutsche Erstaufführung. Im November steht mit „Der Gott des Gemetzels“ von Yasmina Reza eine rabenschwarze Farce an, die vor kurzem auch im Kino zu sehen war. In der Adventszeit folgen zwei Projekte: „Weihnachtsbacken mit Lyrik“ in der Gaststätte Locanta und ein Theaterabend für die ganze Familie mit „Das fliegende Klassenzimmer“ nach Erich Kästner.

Klassiker und Theaterexperimente

Im Januar führt Ensemble-Mitglied Michael Wernikoswki erstmals Regie bei Edward Albees Klassiker „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“. Gleich im Februar geht es weiter mit Martin MacDonaghs jüngstem Stück „Eine Enthandung in Spokane“. Ein modernes Theaterexperiment folgt im März mit „Der Abend ihres Lebens“ vom Hagener Autor Stefan Schroeder unter der Regie von Sina Weber. Im Juni kommt wiederum ein Großprojekt in Halle 3 der Rohrmeisterei auf die Bühne. T.a.F.-Ensemble und das Musik-Team aus der „Dreigroschenoper“ des Jahres 2010 zeigen „Mutter Courage und ihre Kinder“ von Bertolt Brecht und Paul Dessau. Bei diesem fulminanten Abschluss der Jubiläumsspielzeit übernimmt die Rohrmeisterei die Technikkosten und stellt dem T.a.F. die Halle kostenfrei zur Verfügung.

Seit Februar dieses Jahres gibt es im T.a.F. eine Theaterspielmöglichkeit für Kinder. In wöchentlichen Treffen erarbeiten die Ensemblemitglieder Anja Samaga und Sina Weber mit 13 Kindern im Alter von sechs bis 14 Jahren Theaterstücke. Spielerisch tasten sie sich dabei an all das heran, was die kleinen Schauspieler später auf der Bühne umsetzen müssen: Wie setze ich meine Stimme richtig ein? Wie bewege ich mich? Wie kann ich zeigen, dass meine Rolle stimmt? Zurzeit probt die Gruppe das „Fliegende Klassenzimmer“.

Einer unvergesslichen Jubiläumsspielzeit steht nichts mehr im Weg.