Voller Saal, starke Emotionen – Bürgerversammlung in Wandhofen

Wandhofen. (NO) Die Stuhlreihen komplett besetzt, dahinter standen Interessierte dicht gedrängt bis zur Eingangstür. Proppenvoll war der Saal der Gaststätte „Zum Haseneck“ und dick die Luft bei der mehr als überfälligen Bürgerversammlung zum Thema Friedhofsschließung in Wandhofen. Ein Thema, das nach wie vor für Unmut sorgt und hoch emotional diskutiert wird. Wobei sich, wie bereits mehrfach berichtet, viele Wandhofener von der Stadt Schwerte übergangen fühlen. Man hätte sie nicht mit ins Boot geholt, viel zu spät über die Schließungspläne informiert.

Den Bürgerfragen und -sorgen stellten sich am Donnerstag Abend Stadtkämmerin Bettina Brennstuhl, Baubetriebshofleiter Gerhard Krawczyk und Thomas Holtmann, Fachdienst Finanzen, Beteiligungen, Sicherheit und Ordnung. Mit in der Reihe saß Dieter Schmikowski als Sprecher der Dorfgemeinschaft, der ersten Applaus erntete mit der Bemerkung, dass man lange gebraucht hätte, bis die Bürger von den Plänen gehört hätten.
Zunächst wurden Fakten in den Raum gestellt, womit die interfraktionelle Friedhofs-Arbeitsgruppe die Schließungspläne begründet. So seien im vergangenen Jahr in Wandhofen nur 17 Urnenbeisetzungen zu verzeichnen gewesen und die Relation von Kosten und Nutzen speziell in Wandhofen ungünstig. Sprich: Der Friedhof sei zu teuer, ebenso die marode Trauerhalle, die seit Jahrzehnten nicht renoviert wurde. Was ebenfalls mit großer Verärgerung moniert wurde.
Dass Wandhofen ohnehin keine Lobby habe, sich im Rathaus keiner für den Stadtteil einsetze, stand als Vorwurf im Raum. Wandhofen werde regelrecht demontiert – „und was kommt als nächstes?“
Was kostet eigentlich der Friedhofsbetrieb in Wandhofen jährlich? Eine Frage aus den Reihen der Bürger, auf die die Vertreter der Stadt keine Zahlen vorlegen konnten. Das war nicht der einzige Fall. „Hausaufgaben nicht gemacht!“, hieß es prompt. Schmikowski: „Schlecht vorbereitet.“
Gerhard Krawczyk betonte, dass der Spareffekt bei einer Friedhofsschließung erst in fernerer Zukunft eintreten werde, aber man müsse eben schon jetzt die Weichen für die Zukunft stellen und der nächsten Generation keine unnötigen Kosten aufbürden. Ein nicht von der Hand zu weisendes Argument.
Betont wurde, dass auf dem Friedhof immer noch die Ehepartnerregelung gelte, Beisetzungen von Ehepartnern seien also längerfristig durchaus noch möglich. Wenn später einmal Umbettungen nötig werden würden, sei es Sache der Stadt, die Kosten dafür zu übernehmen. Rufe der Empörung wurden laut. Angemerkt wurde noch von den Vertretern der Stadt Schwerte, dass, falls es soweit kommen sollte, eine Entwidmung des Friedhofs ja erst in 50 Jahren stattfinden würde.
Zwischendurch überraschte Dieter Schmikowski die versammelten Bürgerinnen und Bürger mit der Aussage, dass die im Rat der Stadt vertretenen Parteien die Friedhofsschließung doch schon längst beschlossen hätten. Die Bürgerversammlung also nur Theater? Ein wohl kalkulierter „Schreckschuss“.
Wütende Zwischenrufe wurden laut, als seine Dame beklagte, ihr sei erst kürzlich noch eine Urnengruft verkauft worden. „Unverschämtheit!“ Bei der Nachfrage zur Zukunft des Ehrenmals konnten besorgte Versammlungsteilnehmer beruhigt werden. Das werde nicht angetastet.
Gabi Weck, sie schon mehrfach vehement ihre Stimme gegen die Schließungspläne erhob, wurde abermals ihrer Gefühle kaum Herr und sprach nicht nur für sich, sondern für alle Angehörigen, die einen lieben Menschen auf dem Friedhof liegen haben und eigentlich vorhatten, an seiner Seite bestattet zu werden.
Jutta Pentling versuchte, mit Zahlen und Fakten die Wogen zu glätten, ebenso bemühte sich Dieter Schmikowski, die Diskussion wieder in ruhigeres Fahrwasser zu bringen. Kurz angesprochen wurden Pläne zur Weiternutzung der Trauerhalle als privat betriebenen Trauercafés oder die Einrichtung eines ebenfalls privat betriebenen Tierfriedhofs. Möglichkeiten, so wurde klar, gibt es durchaus – man muss nur wollen.
Alles in allem konnten die Wandhofener bei der Bürgerversammlung reichlich Dampf ablassen. Zu lange hatte sich schon der Ärger angestaut. Klar wurde auch, dass der Stadt kein großes Vertrauen entgegengebracht wird, sich die Bürger nicht vertreten fühlen.
„Auf jeden Fall konnten die Bürger ihre Position klarmachen“, zieht Dieter Schmikowski Bilanz. Willkommener Nebeneffekt: „Wir haben die Politik aufgeschreckt“. Die Politik soll nun verstärkt in das Ringen um die Zukunft des Wandhofener Friedhofs miteinbezogen werden. Schmikowski hat bereits Einladungen verschickt. Das letzte Wort also noch nicht gesprochen.