Wanderratten auf dem Vormarsch

Schwerte. (NO) Die neuen Mitbewohner sind den Anliegern Am Sohlenkamp alles andere als willkommen. Dort machen sich Wanderratten breit. Monika und Günter Bolz waren die ersten, die die Sachlage erkannt und einen professionellen Schädlingsbekämpfer hinzugezogen haben. Jetzt rüstet sich das Ehepaar für den Kampf gegen die Schädlinge – in der Hoffnung, nicht alleingelassen zu werden.

Vor sechs Wochen…

Ist die nicht süß? Auf den ersten Blick wirken Wanderratten nicht einmal unsympathisch. Dennoch gelten die intelligenten Säuger als große Schädlinge, die gefährliche Infektionskrankheiten übertragen können. Seit rund sechs Wochen sind Wanderratten an der Straße Am Sohlenkamp auf dem Vormarsch. Abwehrmaßnahmen sind eingeleitet. (Foto: Gerd Rossen)

„Vor rund sechs Wochen ging es bei uns im Garten los“, berichtet Monika Bolz. „Zuerst war die Erde aufgewühlt, dann wurden ganze Beete unterhöhlt und Löcher taten sich auf.“ Zunächst dachte man an Maulwürfe oder Wühlmäuse. Das Schadensbild sprach jedoch eine andere Sprache. Die Plage ging dann auch auf das kleine Gewächshaus über. „Plötzlich klang es unter den Trittplatten hohl. Auch dort hatten sich Tiere durchgegraben“, so Günter Bolz.

Der Fachmann kommt

Bei der Suche nach Abhilfe wurde das Ehepaar von der Stadt Schwerte an den professionellen Schädlingsbekämpfer Reiner Voeckel verwiesen. Der bestätigte Monika und Günter Bolz, was diese schon längst vermutet hatten: Ratten haben sich in ihrem Garten breit gemacht. Voeckel: „Die Tiere kommen vom Bahndamm in unmittelbarer Nachbarschaft des Grundstücks von Ehepaar Bolz. Dort haben sie ideale Lebensbedingungen und bleiben weitestgehend ungestört. Jetzt dehnen die Wanderratten ihr Territorium offenbar auf die Nachbargrundstücke Am Sohlenkamp aus.“

Monika und Günter Bolz ärgern sich über die vielen Löcher und Gruben im Garten und hoffen, dass die Rattenplage bald ein Ende hat. (Foto: Norbert Fendler)

Monika Bolz befragte auch einige Nachbarn – und erfuhr, dass da und dort ebenfalls Rattenlöcher gegraben wurden. „So wie wir haben viele Nachbarn zunächst auch an Wühlmäuse oder andere Tiere gedacht. Doch jetzt dürfte der Fall klar sein.“ Zumal eine Nachbarin sah, wie eine Ratte akrobatisches Talent bewies und eine Hauswand hochkletterte. „Seitdem halten wir natürlich die Türen geschlossen, besonders die zum Garten“, bemerkt Günter Bolz.

Wissenwertes über Wanderratten

Wanderratten, die bei weitem häufigste Rattenart, wurden im 18. Jahrhundert aus Indien nach Europa eingeschleppt und haben sich in der Folgezeit über ganz Europa ausgebreitet. Sie verlassen im Frühjahr, zwischen Ende März und Anfang April, ihre Winterquartiere, selbst gegrabene Höhlen und Erdlöcher, um zu den Sommerfutterplätzen zu ziehen, die sich häufig in Wassernähe befinden. Zu diesem Zeitpunkt kann man diese Rattenart auch gelegentlich in Gärten oder in Siedlungsgebieten sehen.

Wanderratten sind äußerst scheu und sehr vorsichtig. Die Wanderratte gilt als sehr großer Schädling und verursacht erhebliche Schäden an Lebens- und Futtermitteln, die auch durch ihren Kot und Urin verdorben werden können. Die Wanderratte kann durch das Zernagen von elektrischen Kabeln, Blei- und Kunststoffrohren Unfälle auslösen. Daneben spielt diese Rattenart als Verbreiterin gefährlicher Infektionskrankheiten eine erhebliche Rolle. Der auf Wander- und Hausratte lebende Rattenfloh kann die Erreger von Pest, Toxoplasmose und Fleckfieber auf den Menschen übertragen.

Wanderratte mit akrobatischen Fähigkeiten. Die Tiere fressen nahezu alles und nutzen jede Gelegenheit, um an Futter zu kommen. (Foto: Archiv)

Wanderratten erreichen, ohne Schwanz, ein Größe von 20 bis 28 Zentimetern und wiegen maximal 600 Gramm. Die Wanderratte (Rattus norvegicus) hat ein braunes seidenes Fell, relativ kleine nackte Ohren und kleine dunkle runde Augen. Auffallend sind ihre langen Barteln. Der nackte Schwanz, der etwa die Länge des Körpers hat, ist dunkel gefärbt. Wanderratten leben in Familienverbänden in einer sozialen Rangordnung. Die Tiere können gut schwimmen, tauchen und klettern.

Wanderratten haben ein ungemein breites Nahrungsspektrum: Sämereien, Knospen, Früchte, Singvogeleier, Kleinsäuger, Vögel, Abfälle, Aas. Gelegentlich werden sogar Fische erbeutet, lebende Tiere und sogar hilflose Menschen, zum Beispiel Babys, angefressen. In die Enge getrieben, greifen sie Hunde und auch Menschen an. Bei entsprechendem Nahrungsangebot pflanzen sich die Tiere das ganze Jahr über fort. „Ein Weibchen kann in einem Jahr bis zu 200 Nachkommen in die Welt setzen“, weiß Reiner Voeckel.

Köder ausgelegt

Der Schädlingsbekämpfer hat jetzt im Garten von Monika und Günter Bolz sechs Köderboxen ausgelegt und auch in der Nachbarschaft Köder platziert. Diese enthalten ein Blutgerinnungsmittel, so dass die unerwünschten Nager erst zwei, drei Tage, nachdem sie den Köder angefressen haben, sterben. „Ein schnell wirkendes Gift bringt gar nichts, Ratten sind schlau. Sie würden schnell merken, wenn mit der Nahrung etwas nicht stimmt“, so Voeckel.

„Jetzt müssten alle Nachbarn mitziehen und ebenfalls Köderboxen auslegen lassen, damit die Ratten flächendeckend von unserern Grundstücken vertrieben werden“, hofft Monika Bolz auf einen gemeinsamen Abwehrkampf. Und darauf, dass sich die Wanderratten nicht dauerhaft Am Sohlenkamp einnisten. Dass die Plage früher oder später ein Ende hat, ist jedoch wahrscheinlich. Denn die meisten Wanderratten ziehen, wie der Name schon sagt, eines Tages weiter. Vielleicht zu den umliegenden Grundstücken…