Wenn Liebe zum Wahn wird

Schwerte. (NO) Wenn Birgit B. an das vergangene Jahr zurückdenkt, bricht ihr noch heute der Angstschweiß aus. Kaum hatte sie sich aus ihrer ohnehin schon brüchigen Beziehung von ihrem Freund befreit, begann der Terror erst recht.

Hilflos

Ständig klingelte das Telefon, ihr E-Mail-Ordner wurde von Nachrichten überflutet, das Handy quoll über von SMS. Dazu hatte die 42-Jährige ständig das Gefühl, nie unbeobachtet zu sein. Überall – ob beim Einkaufen, im Büro, beim Spaziergang, in ihrer Wohnung… – tauchte ihr Ehemaliger auf und kontrollierte sie. „Ich kam mir so hilflos vor,“ erzählt sie, zumal Außenstehende ihr Problem nicht verstanden und das „Theater mit dem Ex“ als harmlos einstuften. „Da musst du halt durch,“ lauteten die Kommentare.

Verfolgung

„Stalking“ bezeichnet das, was Birgit B. erlebt hat. Der englische Begriff, abgeleitet von dem Tätigkeitswort „to stalk“, stammt ursprünglich aus der Jägersprache und bedeutet soviel wie Anpirschen, Anschleichen oder Einkreisen der Beute. Und genau das macht ein Stalker mit seinem Opfer: Er belästigt es in penetrantester Weise und terrorisiert es. Das kann von der ständigen Verfolgung über Beschimpfungen bis hin zur Sachbeschädigung, z.B. am Auto, und gewalttätigen Übergriffen führen.

„Stalking“ macht krank

Der Begriff ist relativ neu, das, was passiert, hingegen alt. Die Opfer, im Regelfall Frauen, sind oft am Ende. Sie schlafen nicht mehr, trauen sich nicht mehr unter Menschen, haben psychosomatische Störungen, leiden unter Verfolgungswahn. Der Täter will weiterhin Kontakt, oft wird von Liebe geredet. Diese vorgetäuschte Liebe hat aber nur noch mit Macht und Kontrolle zu tun, die der Mann nicht verlieren will. So wie bei Birgit B.: Ihr Freund verkraftete den Schlussstrich nicht. Zu 100 Prozent konzentrierte er sein Leben auf seine Freundin, die sich anfangs kaum traute, sich gegen seine Nachstellungen zu wehren. Die Liebe wurde zum Wahn.

Gesetz schützt

Das Gesetz schützt Stalking-Opfer und besagt sinngemäß, wer einem Menschen beharrlich nachstellt und dadurch seine Lebensumstände schwerwiegend beeinträchtigt, wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Sich helfen lassen

Um den gesundheitlichen und sozialen Folgen des Stalkings entgegenzuwirken, sollten sich Betroffene frühzeitig helfen lassen. Ansprechpartner sind hier zunächst die örtlichen Polizeidienststellen und/oder der Opferschutzverband „Weißer Ring“. Darüber hinaus kann die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe hilfreich und entlastend sein. Denn zu erfahren, dass es andere Menschen gibt, denen Ähnliches widerfährt, gibt wieder Selbstwertgefühl, Mut und Hoffnung.

Selbsthilfegruppe

Wer Interesse an der Mitarbeit in der in Gründung befindlichen Selbsthilfegruppe hat, kann sich bei Anette Engelhardt von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen des Kreises Unna (K.I.S.S.) im Gesundheitsamt Schwerte, Kleppingstraße 4, unter Tel. 02304/ 2407022 melden – oder per E-mail unter anette.engelhardt@kreis-unna.de. Alle Anfragen werden streng vertraulich behandelt!