Wie der Flusspoet zum Grubenpoeten wurde…

Wen die Muse küsst… Der Schwerter Lyriker Thorsten Trelenberg überrascht immer wieder mit neuen Projekten und Metamorphosen. Acht Gedichtbände und ebenso viele Kinderbücher hat der ehemalige Feuerwehrmann bereits veröffentlicht. (Foto: wochenkurier)

Mit einem Handvoll
Lachen im Mund
Erstickt dieser Sommer
Gebrochen
Aber noch nicht von der Sehnsucht
Der Schwalben befreit
Verliert
Man sich tief
In der Kälte zwischen den Zeiten
Nichts
Als ein Schweigen
Umkreist
Den Gesang der Luft

Schwerte. (NO) Ein neues Gedicht mit dem Titel „Stummer Gesang“ von Thorsten Trelenberg, das gut zum Sommer 2012 passt. Mag sein, dass es ihm auf einem seiner Spazier- und Gedankengänge am Ufer der Emscher in den Sinn gekommen ist, wo sich Schwertes aktivster und produktivster Lyriker oft und gern von der Muse küssen lässt.

„Als Schwerter liegt mir natürlich auch die Ruhr am Herzen, aber zur Emscher habe ich ein ganz besonderes Verhältnis“, gesteht der ehemalige Feuerwehrmann, der mittlerweile ganz in seiner poetischen Berufung aufgegangen ist.

Klangtextcollage

An der Emscher traf Trelenberg einen „Geistesverwandten“: den Komponisten, Saxophonisten und Schlagwerker Richard Ortmann, der an allen möglichen und unmöglichen Orten Geräusche sammelt und diese zu ebenfalls lyrischen Klanggebilden verwebt. Aus dieser Begegnung entstand die Idee zu einer „Klangweltentextcollage“, aufgenommen und abgemischt in einem Dortmunder Tonstudio und kürzlich veröffentlicht unter dem Titel „StadtLandFlussPoet“ und bezuschusst mit immerhin 600 Euro vom Kreis Unna.

Dem Hörer offenbart sich ein poetisches Klangerlebnis, bei dem Trelenberg auch mit temperamentvollem Vortrag aufhorchen lässt. (Dem gleichnamigen Beiheft ist auch das Gedicht am Anfang entnommen.)

Hoch produktiv

Mittlerweile kann Trelenberg auf acht Gedichtbände, das Projekt „StadtLandFlussPoet“ mit eingerechnet, und ebenso viele Kinderbücher verweisen. Und damit ist er wohl einer der künstlerisch aktivsten Schwerter, der gleichwohl eher jenseits der Stadtgrenzen aktiv ist. Der Dichter von der Ruhr ist gefragt. Erst am vergangenen Sonntag führte er eine Lesung in Düsseldorf auf Einladung des Berufsverbands Bildender Künstler durch. „In diesem Jahr stehen so etwa 20 Lesungen auf meinem Terminplan, weitere Projekte sind in der Mache“, ist Trelenberg selbst etwas überrascht über seine Umtriebigkeit.

Der Grubenpoet

Besonders gefreut hat den 46-Jährigen auch die Einladung zur „Extraschicht“ vor zwei Wochen in der Zeche Nachtigall am Muttentals in Witten. Im dortigen Besucherbergwerk „Nachtigallstollen“ präsentierte der experimentierfreudige Lyriker aus der Hansestadt an der Ruhr unter Tage sein Programm „poetry:energy – on the move“, oder, wie wir Westfalen sagen würden: „Poesie:Energie – In Bewegung“.

Fünf Stunden am Stück war Trelenberg, ausgestattet mit Helm, Lampe und anderem Beiwerk, unter Tage und erfreute rund 250 Interessierte mit Texten von „gaga bis dada“. Und so wurde aus dem Flusspoeten auch ein Grubenpoet. Auf weitere Metamorphosen des Schwerter Lyrikers darf man gespannt sein.