Iserlohn. Es war der Moment, als Trainer Dragan Torbica von seiner hungrigen Mannschaft schwärmte, als sich Lamar Mallory, Neuzugang und künftiger wichtiger Teil dieser Mannschaft, erhob und langsam um die Tischreihen schlenderte. Ein paar Meter entfernt hatte er ein Tablett entdeckt, steuerte darauf zu und bastelte sich aus mehreren belegten Brötchenhälften eine deftige Stulle. Kollektives Kichern in dem Saal, in dem die Führung der Iserlohn Kangaroos einen Ausblick auf die bevorstehende Saison gab. Keine Frage, die Zweitliga-Basketballspieler aus Iserlohn sind hungrig – aber auch im übertragenden Sinn auf Erfolge.

Von Euphorie begleitet

Genau an diesen Erfolgen hat Kangaroos-Geschäftsführer Michael Dahmen keinerlei Zweifel. „Wir sind in der vergangenen Saison von einer unglaublichen und vor allem stetig wachsenden Euphorie begleitet worden“, sagt er. Nach anfänglichen Problemen, die auf den großen Umbruch in der Mannschaft zurückzurühren waren, und nach dem unfassbaren Schicksalsschlag, dem Tod des ehemaligen Trainers und guten Freundes Matthias Grothe, spielten sich die Iserlohner in einen Basketball-Rausch. Mit jedem Spiel steigerte sich das Team von Dragan Torbica – und wurde schließlich erst zum Playoff-Monster und dann zum Favoritenschreck. Allein die beiden Viertelfinalpartien gegen die Artland Dragons sorgen immer noch für Gänsehaut bei allen Beteiligten.

Von der Basketball-Begeisterung in Iserlohn möchten sich die Kangaroos auch in der kommenden Saison zu großen Sprüngen verleiten lassen. „Unser Ziel ist ein Platz unter den ersten vier“, sagt Manager Michael Dahmen. Er möchte genau wie Trainer Dragan Torbica in den Playoffs das Heimrecht bekommen.

Aus Running Gag wurde Ernst

Nicht zuletzt die Neuverpflichtungen lassen die Kangaroo-Spitze von Großem träumen. Da wäre beispielsweise Malte Schwarz. Dahmen spricht vom „Königstransfer“. Schon seit Jahren habe es diesen „Running Gag“ gegeben, Malte Schwarz zu verpflichten. Aber wie, bitteschön, habe man einen erfolgreichen Bundesliga-Shooting-Guard vom Mitteldeutschen BC für die zweite Liga begeistern sollen. Doch aus dem Gag wurde nun Ernst. Malte Schwarz, Bruder von Kristof Schwarz, sagte Ja zu den Kangaroos: „Ich wollte etwas verändern, mein Studium voranbringen“, sagt Malte Schwarz. „Auch Matthias Grothes Tod hat mich nachdenken lassen, was wichtig ist im Leben.“ Für ihn stand fest, er wollte noch einmal hochklassig mit seinem Bruder Kristof zusammenspielen. Und: „Irgendwie war ich durch Christof schon immer ein Teil von Iserlohn.“ Jetzt gehört er ganz dazu. Und er ist voller Euphorie: „Es hat sich bisher alles bewahrheitet, was ich mir erwünscht habe.“

Weiterer wichtiger Neuzugang ist Lamar Mallory, ein 2,01-Meter-Mann, der zuletzt seine Brötchen beim australischen Proficlub Bandits Albury Wodonga verdiente. Er hat durchaus ProB-Erfahrung. Der US-Spieler war bereits zwei Jahre beim TV Lich in der zweiten Basketball-Bundesliga aktiv. Er ist ein Top-Spieler, flexibel und athletisch – „wir waren schnell begeistert“, sagt Trainer Dragan Torbica. Auch Lamar Mallory ist begeistert – von dem differenzierten Trainer, von dem guten System und von dem kleinen, familiären Club. Er will viel erreichen mit den Kangaroos.

Jonas Buss ist der dritte Neuzugang. Er ist gerade einmal 19 Jahre jung, doch er wird als großes deutsches Center-Talent gehandelt. Ursprünglich kommt der junge Spieler aus Meinerzhagen, doch schon im Alter von 14 Jahren ging er nach Speyer, um dort ein Sport­internat zu besuchen und seine basketballerische Entwicklung voran zu treiben. Zuletzt spielte er bei den Eisbären Bremerhaven in der NBBL.

Ganz wichtig ist für die Verantwortlichen aber auch, dass die Kangaroos mit den Local Heroes Joshua Dahmen, Kristof Schwarz, Ruben Dahmen, Gabriel De Oliveira, Erik Krumme und Henri Vaihinger, sowie dem sehr starken Nikita Khartchenkov und dem talentierten Viktor Ziring gleich acht Spieler aus dem letzten Jahr halten konnten.

Vom Noma-Cub bis zu Rhein-Stars

Nach den ersten Begegnungen mit der BG und schließlich Phoenix Hagen stehen nun die nächsten Höhepunkte der Vorbereitung an. Der 8. Noma-Cup an wird an diesem Wochenende, 1. und 2. September, ausgetragen. Neben den Kangaroos nehmen die Depant Gießen 46ers Rackelos ebenso teil wie die beiden ProA-Ligisten Uni Baskets Paderborn und FC Schalke 04. Und nur drei Tage später, 5. September, begrüßen die Iserlohner zum größten Highlight den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger FC Bayern München in der Matthias-Grothe-Halle zum Benefizspiel zugunsten des Vereins Lebenswert.

Nach dem Benefizspiel gegen die Bayern fahren die Kan­garoos zu einem internationalen Turnier nach Luxemburg. Und zum Abschluss der Vorbereitung sind Torbica und sein Team Gast bei der Saisoneröffnung der Rhein-Stars Köln (15. September).