Iserlohn Roosters: Blick zurück und nach vorn

Image bei Nachwuchs verbessern

Iserlohn. Es war eine Saison, in der die Fangesänge zwischendurch verstummten. Trainerwechsel, Nachverpflichtungen von Spielern, Verletzungspech, „unnötige“ Niederlagen: Bei den Iserlohn Roosters war einfach der Wurm drin. Die verpassten Playoffs waren das Ende einer Saison, die nicht zu den rühmlichsten der Iserlohner Eishockeygeschichte gehörte. Am Donnerstag (7. März) traten Clubchef Wolfgang Brück und der kommissarische sportliche Leiter Christian Hommel an die Öffentlichkeit.
Sie wollten sich stellen, einen Blick zurück und vor allem einen nach vorne werfen. Bei aller, zum Teil vielleicht auch berechtigten Kritik wollten beide einen Punkt klarstellen: „Leidenschaft für die Roosters hängt nicht von der Platzierung ab.“

Tabellenkeller kann immer mal passieren

„Bei aller Emotionalität geht mir manchmal die eine oder andere Aussage zu weit“, sagt Wolfgang Brück. Richtig, die Roosters haben das Saisonziel Playoffs nicht erreicht. „Aber wir haben die Playoffs in den vergangenen Jahren vier- von sechsmal geschafft“, ergänzt er. „Das sind Erfolge, von denen man in Schwenningen oder Krefeld nur träumen kann.“ Doch nicht in Schwenningen oder Krefeld, sondern in Iserlohn werden kübelweise Hohn und Spott über den Club ausgeschüttet. „Ich bin natürlich auch enttäuscht“, sagt Wolfgang Brück. Doch er weist darauf hin, dass die Roosters zu den vier, fünf kleinen Clubs der Liga gehören. „Wir dürfen uns nicht aus der Ruhe bringen lassen, auch wenn wir mal im Tabellenkeller enden. Das kann immer mal wieder passieren, auch wenn wir richtig gut planen.“

Geplant wird jetzt schon kräftig für die kommende Saison. Mit Blick auf die finanziellen Möglichkeiten eines kleinen Clubs sagt Christian Hommel: „Wir können nicht immer die besten Spieler verpflichten, sondern die, die am besten zu uns passen.“ Noch konkreter: „Das Logo vorne auf dem Trikot muss für jeden Spieler wichtiger sein als der Name hinten.“ Das war, gibt der sportliche Leiter zu, in der vergangenen Saison vielleicht nicht immer bei allen Spielern gegeben.

Kooperationen mit DEL2 und Oberliga

Christian Hommel kündigt Kooperationen mit DEL2- und Oberliga-Clubs an. In diesem Schritt sieht er eine Möglichkeit, das Roosters-Image in den Augen von jungen deutschen Spielern zu verbessern. Das Ansehen habe gelitten, weil der deutsche Nachwuchs tatsächlich in der Vergangenheit nur wenig Eiszeit bei den Roosters bekommen habe. „Das muss sich ändern“, sagt der kommissarische sportliche Leiter mit Blick auf die nahe Zukunft, Denn in der Deutschen Eishockey-Liga sollen Jugendspieler künftig stärker in die Mannschaften integriert werden. Bis zur Saison 2023/24 muss jedes Team mindestens drei für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigte U23-Spieler im Kader haben.

Von einer Kooperation mit Zweit- oder Oberligaclubs verspricht sich Christian Hommel viel. Eigene Neuverpflichtungen, die vielleicht noch ein bisschen Zeit brauchen, können in den anderen Ligen Erfahrungen sammeln. Talente aus den anderen Clubs hätten auf diese Weise die Chance, mit den DEL-Cracks zu trainieren und womöglich auf der ganz großen Eishockey-Bühne aufzutreten.

Kader- und Trainerfrage

Zur Kaderplanung: Ein Wiedersehen auf dem Iserlohner Eis gibt es mit Dieter Orendorz, Julian Lautenschlager, Marco Friedrich, Rene Behrens und Jonas Neffin. Weitere Angebote liegen Jon Matsumoto und Daine Todd vor. Auch andere Türen sind nicht verschlossen. Vielleicht wird es zu weiteren Vertragsverlängerungen kommen. So werden beispielsweise Gespräche geführt mit Sebastian Dahm und Anthony Camera. Von Christopher Fischer weiß man, dass er als rechtsschießender Verteidiger von anderen Clubs stark umworben wird. Definitiv nicht mehr dabei sind allerdings der bereits verabschiedete Goaly Mathias Lange, Lean Bergmann, Louie Caporusso, Tom-Eric Bappert und Sasa Martinovic.

Bereits in der nächsten Woche wollen die Iserlohn Roosters den neuen Trainer vorstellen. Schließlich hatte Jamie Bartman frühzeitig bekannt gegeben. nicht für eine weitere Saison an der Bande zur Verfügung zu stehen. Gerüchten zufolge haben sich die Roosters bereits mit dem kanadischen Coach Jason O‘Leary, der zurzeit ein Farmteam in der Schweiz trainiert, geeinigt. Ob die Spatzen damit den richtigen Namen von den Dächern pfeifen, wird die nächste Woche zeigen.

Der Wochenkurier bleibt am Puck.

Unfaire Kritik: „Das war respektlos“

„Ich war erst gestern bei Karsten Mende. Er hat gesagt: ‚Mach mal, du schaffst das schon.‘“ Christian Hommel atmet tief durch. „Das war wie ein Befreiungsschlag“, sagt er.

Quasi von heute auf morgen hatte der ehemalige Eishockey-Nationalspieler die Aufgaben des sportlichen Leiters bei den Iserlohn Roosters übernommen. Das geschah, als feststand, dass Amtsinhaber Karsten Mende wegen eines in der Weihnachtszeit erlittenen Schlaganfalls längerfristig ausfallen würde. Eine turbulente Zeit sollte ihm in seiner neuen, kommissarisch übernommenen neuen Rolle bevorstehen: enttäuschte Fans, eine erschöpfte Mannschaft, die wegen zahlreicher Verletzungen zehn Spiele in knapp drei Wochen mit nur drei Reihen bestreiten musste und schließlich das Nicht-Erreichen der Playoffs.

Der Frust vermeintlicher Eishockey-Fans machte sich auf höchst unsportliche Weise Luft. Christian Hommel erlebte wegen seines Aufstiegs bei den Roosters Anfeindungen von außen. Menschen, die der festen Überzeugung sind, den Eishockeysport besser zu verstehen als jeder Insider, machten sich lustig über die Personalie, nannten Christian Hommel eine „Marionette des Vereins“. An dieser Stelle schluckt der verdiente Spieler, Coach und nun sportliche Leiter.

Er versucht gleich, zur Tagesordnung überzugehen. Doch Aussagen wie diese schlagen Wunden. Denn sein Herz schlägt Blau und Weiß. Christian Hommel brennt für die Roosters. Clubchef Wolfgang Brück findet klare Worte zu den Schmähungen des kommissarischen sportlichen Leiters: „Das ist respektlos“, sagt er. „Christian Hommel ist mit Herz und Leidenschaft dabei. Er genießt unser Vertrauen.“

 

 

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