Das war knapp. Durch einen 78:76-Last-Minute-Sieg bei LOK Bernau stehen die Iserlohn Kangaroos im Viertelfinale der Playoffs in der 2. Basketball-Bundesliga / ProB. Auf wen die Kangaroos dort treffen werden, entscheidet sich jedoch erst am Dienstagabend. Ungeachtet dessen beginnt die Vorbereitung auf die nächste Aufgabe bereits am Montag.

Aus Sicht der Kangaroos startete das Spiel wenig verheißungsvoll. Über 5:0 (2.) und 10:2 (4.) setzten sich die Hausherren auf 16:5 (5.) ab. Erst dann wachten die Schützlinge von Coach Dragan Torbica langsam auf. Bis zum Ende des ersten Viertels kamen die Gäste besser ins Spiel. Nikita Khartchenkov verkürzte in der achten Spielminute per Sprungwurf auf 12:16. In die erste Viertelpause gingen die Kangaroos mit einem knappen Fünf-Punkte-Rückstand (16:21). Auf den Korbleger von Sebastian Fülle vier Sekunden vor Ende des ersten Viertels fanden die Kangaroos keine passende Antwort mehr.

Nikita Khartchenkov und Simon Kutzschmar egalisierten den Rückstand zu Beginn des zweiten Viertels innerhalb von 32 Sekunden mit fünf schnellen Punkten. Bernau konnte sich jedoch im weiteren Verlauf erneut absetzen, zog auf 33:25 davon (17.), machte die Führung kurz vor dem Seitenwechsel sogar erneut zweistellig (39:29, 19.). Doch die Kangaroos ließen sich nicht abschütteln. Julian Scott verkürzte per Korbleger auf 36:39 (20.). Robert Kulawick sorgte jedoch mit einem verwandelten Freiwurf dafür, dass Bernau mit vier Punkten Vorsprung in die zweite Halbzeit starten sollte (40:36).
Das Spiel war knapp, deutlich war indes die Verteilung der Freiwürfe. Bernau durfte im ersten Durchgang elf Mal an die Linie, Iserlohn nur drei Mal. Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein offener Schlagabtausch. Aber immer wenn die Kangaroos eigentlich drauf und dran waren, die Kontrolle zu übernehmen, schlug Bernau zurück. Als Simon Kutzschmar das Spiel mit zwei Dreiern innerhalb von 23 Sekunden drehte (57:54, 29.), schien es, als übernähmen die Kangaroos endgültig die Kontrolle. Bernau ließ sich vor heimischer Kulisse nicht beeindrucken – und konterte mit einem 7:0-Lauf, sodass die Hausherren auch vor den finalen zehn Minuten mit vier Punten in Front lagen (61:57, 30.).
Auch im vierten Viertel hatte die Führung der Gastgeber lange Zeit Bestand, sodass auf Seiten der Kangaroos nach und nach die Sorgenfalten tiefer wurden. Sollte es wirklich ein Entscheidungsspiel in der Hembergfestung geben, die Serie in die Verlängerung gehen? Über weite Strecken sah es verdammt danach aus. Nikita Khartchenkov war es jedoch, der die Hoffnung zurück ins Lager der Waldstädter brachte. Sein Dreier zum 73:74 (38.) traf Bernau Mitten ins Herz.

Zwar legte Kory Valon Anthony noch einmal für Bernau vor (76:73, 39.). Sein Korbleger sollte jedoch die letzten Punkte der Gastgeber darstellen. 32 Sekunden vor dem Ende glich Ruben Dahmen die Partie per Dreier aus. Und dann wurde es kribbelig. Im Gegenzug hatte Dexter John Werner per Korbleger die Entscheidung für Bernau auf der Hand, verlegte jedoch. Der bärenstarke Joshua Dahmen sicherte sich den Defensiv-Rebound. Und Bernau foulte.
Sechs Sekunden vor dem Ende nahm Dragan Torbica noch eine Auszeit, brachte sein Team auf Kurs. Der Ball landete in den Händen von Simon Kutzschmar, der versuchte, den Ball an Nikita Khartchenkov oder Donte Nicholas weiterzugeben. Der Handoff funktionierte jedoch nicht, also fasste sich der 21-jährige Shooting Guard ein Herz. Und drückte selber ab!
Sein Wurf rauschte durch die Reuse. Iserlohn führte kurz vor dem Ende mit 78:76. Bernau blieb ein Angriff. Und die Hausherren versuchten, das Spiel mit einem Alley-Oop-Pass auf Dexter Werner in die Verlängerung zu schicken, scheiterten aber. Der Rest war Iserlohner Jubel. Der Einzug ins Viertelfinale der Playoffs war geschafft! „Die Schlussphase war echt wild, aber den Sieg haben wir uns als Mannschaft hart erarbeitet“, sagte Kutzschmar nach dem Spiel.
Wenn es dafür Belege braucht: Sechs Kangaroos-Spieler punkteten gegen Bernau zweistellig. Deion Giddens brach sich kurz nach seiner ersten Einwechslung die Nase, biss jedoch die Zähne zusammen und war zur Stelle als Julian Scott nach seinem fünften Foul nur noch zuschauen durfte. „Das war eine fantastische Leistung des gesamten Teams. Ich bin sehr, sehr glücklich darüber, dass wir die Serie so beenden konnten und ziehe meinen Hut vor der Mannschaft“, sagte Kangaroos-Manager Michael Dahmen.


Iserlohn Kangarros: de Oliveira, Kutzschmar (10/2),  Schwarz (3/1), J. Dahmen (12/2), Scott (12),  Nicholas (11/2),  Khartchenkov (17/3), R. Dahmen (9/1), Giddens (4).