Leseherbst: Magische Realität

Iserlohn. In den vergangenen 20 Jahren dominierte ein Zauberer die Bücherregale: Harry Potter. An den kometenhaften Erfolg des Helden von Joanne K. Rowling kommt Benedict Jackas Debüt nicht heran. Soll es auch nicht. Denn: Während Rowling eine Zauberwelt für große und kleine Lesefreunde kreierte, spricht Jacka eher jugendliche und erwachsene Leser an.

Das macht zwar den Kreis seiner Leserschaft kleiner, ermöglicht dem Autoren aber auch eine erwachsenere Herangehensweise an das Thema Magie, Zauberei und Co. Denn: Im Gegensatz zu dem berühmten Potter und dessen Schulleben ist Alex Verus ein junger Zauberer, der die dunkle Seite der Magie, Folter und Tod bereits kennengelernt hat. Es gibt kein deutliches Schwarz-weiß-Denken zwischen „guten“ und „bösen“ Zauberern, sondern es wird vielmehr dem Leser selbst überlassen, auf wessen Seite man sich schlägt.

Den Auftakt in die Serie um die Hauptfigur Alex Verus heißt: „Das Labyrinth von London“. Alex Verus lebt, arbeitet und zaubert dort. Doch nicht jeder Zauberer hat die gleichen Gaben. Verus ist ein Wahrsager. Er kann unendlich viele Zukunftsstränge vorhersehen und muss sich dann für die wahrscheinlichste Zukunft entscheiden. Mit diesem Wissen kann auch er seine Schritte vorausplanen und ist seinen Widersachern so eine Nasenspitze voraus.

Allerdings war Verus, der nun einen Zaubereishop namens Emporium Arcana betreibt, nicht immer ein rechtschaffender und – so könnte man es formulieren – langweiliger Magier. Als Außenseiter in der Schule, gebrandmarkt wegen seiner Gabe, flieht der jugendliche Verus in die Arme eines Schwarzmagiers. Er schließt sich ihm an und lernt mit der Magie umzugehen. Der Preis dafür belastet allerdings sein Gewissen. Er flieht aus dieser Welt. Doch, weil die Weißmagier – also das Pendant zum Schwarzmagier – nichts gegen die grausigen Taten der Schwarzmagier tun, isoliert sich Alex Verus von dieser Welt. Eines Tages trifft seine Vergangenheit auf seine Gegenwart und zieht ihn mit aller Kraft in einen gefährlichen Machtkampf von mehreren besonders mächtigen Zauberern. Für Alex Verus und seine Freundin Luna (übrigens keine Zauberin) steht nichts geringeres als das eigene Leben auf dem Spiel. Wird sich Verus im Kampf zwischen den mächtigen Zaubererparteien aufreiben oder gelingt ihm die Flucht nach vorn? Eine spannende Frage die Autor Benedict Jacka geschickt beantwortet.

Mein Fazit: Aufgewachsen mit Rowling und ein Fan von Ben Aaronovitch, ist für mich dieses Buch ein absolutes Muss. Was mich begeistert hat, war diese magische Realität oder – je nach Geschmack – die realistische Magie, die Benedict Jacka kreiert hat.

Dadurch sorgt der Brite für eine klare Abgrenzung zu Fantasy- und Kinderbüchern. Es ist keine komplett neue Welt, in die man sich als Leser reindenken muss, sondern es werden bekannte Ort wie London mit Magie erfüllt. Das halte ich für ausgesprochen gut, da der Autor den Leser nicht in seine Szenerie einführen muss und deutlich gestraffter die Story serviert. Deswegen kann man das Buch auch in einer angemessenen Zeit schaffen – ein nicht zu verachtendes Detail. Insgesamt kann ich eine klare Leseempfehlung für dieses Buch aussprechen für Fans von fantasievollen Geschichten, ohne Realitätsverlust.

„Das Labyrinth von London“ ist im Juli im Blanvalet-Verlag erschienen. Das Buch umfasst 416 Seiten (ISBN: 978-3-7341-6165-0). Der Nachfolger „Das Ritual von London“ wird am 15. Juli 2019 erscheinen.