Arbeiter, Träumer und Fantasten

Kleiner Reisetipp für das Wochenende, passend zum heutigen Tag der Arbeit: Was wären wir ohne Menschen, die hart schuften, um einen Traum zu verwirklichen? Wir hätten weder Computer noch Autos, keinen Strom und kein Fernsehen.

Und zum Beispiel auch kein Hermannsdenkmal bei Detmold – das Werk eines besessenen Irren. Der 1800 geborene Bildhauer Ernst von Bandel träumte schon jung davon, dem Cheruskerfürsten Armin mal ein ordentliches Denkmal zu setzten. Der hatte schlappe 2000 Jahre früher im Teutoburger Wald drei römische Besatzer-Legionen legendär zerbrezelt. Für das Denkmal hat Bandel sein ganzes Leben all sein Hab und Gut gegeben. Während der letzten Baujahre lebte er gar mit Gattin direkt neben dem gigantischen Denkmal in einer schlichten Holzhütte.

Die Detmolder zeigten Mitleid mit dem Verrückten und spendierten ihm einen Kohlenofen, damit er es wenigstens warm hatte. Halb erblindet und von Rheuma geplagt, bekam der 75-Jährige noch von Wilhelm I. bei der pompösen Einweihung 1875 einen Orden umgehängt und starb – wahrscheinlich hoch beglückt – ein Jahr später.

Nur wenige Kilometer Luftlinie vom „Hermann“ entfernt und rund hundert Jahre später hatte Kurt Eckstein einen Vogel. Einen? Ach, was! Dutzende. Hunderte. Er liebt Vögel, vor allem Exoten. Er träumte davon, sein Dörfchen Heiligenkirchen mit Papageien, Sittichen, Tukanen, Straußen, Flamingos und anderem Pracht-Federvieh zu bevölkern. Warum nicht gleich die alte Streuobstwiese hinter Opas Fachwerkhäuschen in eine australische Wüstenei verwandeln?

Geträumt, gesagt, getan. Und? Riesenerfolg! Ecksteins Vogelpark ist einer der schönsten im ganzen Land!

Direkt bei Eckstein hinterm Berg schwärmte schon Jahrzehnte vorher sein Nachbar Adolf Deppe für Greifvögel. Schon 1939 gründete er die Adlerwarte Berlbeck und lebte fortan für und mit Adler, Geier, Bussard, Falke & Co.

Das war luftig, um nicht zu sagen – windig. Aber heute ist seine Adlerwarte die größte und inzwischen älteste in ganz Europa. Hier werden Jungtiere aufgezogen, die in aller Welt wieder ausgewildert werden. Sogar Kondore für die Anden in Südamerika.

„Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden“, sagt der Dichter.

In diesem Sinne: genießen Sie den Tag der Arbeit!

1. Mai 2010