Auslaufmodell?

„Was wünscht Ihr Euch vom Weihnachtsmann?“ fragen die wenigen Eltern dieser Tage ihre Kinder.

Aber – oh weh – bei uns kommt der Weihnachtsmann gar nicht. Der – so weiß unser aufgeklärter, kritisch denkender Nachwuchs – ist doch bloß ein Werbe-Gag, eine Erfindung des Schwarze-Brause-Konzerns aus den USA.

Gerade mal 80 Jahre ist dieser „Weihnachtsmann“ alt. Na gut, er ist nicht gerade der Jüngste, doch das ist nix im Vergleich zum Nikolaus, dem er zum Verwechseln ähnlich sieht.

Wir müssen hier sauber unterscheiden: Der Weihnachtsmann ist Amerikaner und wohl ein berufsloser tierlieber Lebemann, der im flotten Schlitten zwischen Advent und Weihnachten durch die Wolken zischt und bestellte Waren durch die Schornsteine anliefert. Man nennt ihn auch, obwohl er kein bisschen heilig ist, auf US-amerikanisch „Santa Claus“ oder ganz cool und ultra-vertraut nur noch „Santa“. Marilyn Monroe durfte ihn sogar als „Santa Baby“ ansingen und anschmachten. Das hat ihm bestimmt gefallen.

Sein Vor- und fast Ebenbild ist dagegen ein Langweiler: Er stammt aus Kleinasien, war Kirchenmann – Bischof – und tat reichlich Gutes, besonders Kindern. Deswegen wurde er später heilig gesprochen und bekam einen Ehrentag: Den 6. Dezember. Dann kommt er ganz bescheiden zu Fuß. Ein Eselchen und ein Gehilfe helfen ihm schleppen. Er betreibt kein Versandgeschäft und keinen Online-Shop. Bei ihm kann man nix bestellen. Er bringt Nüsse, Äpfel, ein bisschen Schoko und vielleicht ein paar Kekse. Und er bringt Grüße mit. Vom Christkind, das bald folgen will.

Ach ja, das Christkind.

Das hat in den USA irgendwie seinen Job als Weihnachtshauptperson verloren. Der pausbackige „Santa-Weihnachtsmann“ hat dort das Geschäft komplett an sich gerissen und das „Kind mit dem lockigen Haar“ in die Wüste geschickt. In Gospel-Songs kommt Christkinds Name noch vor, aber sonst ist es aus der Nummer in Nordamerika ziemlich raus.

Bei uns vermutlich bald auch. Schon allein deshalb, weil in Großstädten wie Essen und Düsseldorf jeder zweite Haushalt nur noch aus einem Single besteht. Und davon wiederum hat mindestens die Hälfte nichts mit dem Christentum an der Mütze. Da könnte sich die Weihnachterei als wundervolles abendländisches Fest voraussichtlich bald von selbst erledigen.

Schönen zweiten Adventssonntag, solange es so etwas noch gibt.