Blinker-Typen

Sonntalk von Heiko Cordes

Der Blinker scheint für einige Autofahrer ein unbekanntes Instrument zu sein.

Wer genau hinschaut, der kann sogar verschiedene „Blinker-Typen“ herausfiltern. Da wäre zum Beispiel der „Datenschützer“. Dieses besondere Exemplar der Gattung Blinker-Muffel verweigert sich komplett dem Anzeigen einer Richtungsänderung. Frei nach dem Motto: „Es geht dich gar nix an, wohin ich will“ setzen die „Datenschützer“ nie den Blinker, weder beim Abbiegen noch beim Spurwechsel

Die „Gedankenleser“ dagegen erwarten von den anderen Verkehrsteilnehmern eher telepathische Fähigkeiten. Kein Sicherheitsabstand ist zu klein, kein Geschwindigkeitsüberschuss des von hinten heranrauschenden Sportwagens zu groß für den „Gedankenleser“. Blitzschnell wechselt er die Spur – natürlich ohne den Blinker zu betätigen – im Vertrauen darauf, dass alle anderen wissen, was er macht.

Viel vorsichtiger, vielleicht zu vorsichtig und damit schon wieder ein Risiko, ist der „Weitsichtige“. Er wechselt auf die linke Spur der Autobahn, wenn ein LKW am Horizont erscheint, dafür aber mit eingeschalteten Blinker! Er kündigt sein Abfahrt von der Schnellstraße schon 500 Meter vor der Ausfahrt an. Das ist quasi die Vorstufe zum „Dauerblinker“. Der Freund der lichttechnischen Einrichtung hat große Freude an der Benutzung seines Blinkers. Er blinkt während eines gesamten Überholmanövers – und gerne auch noch etwas länger. Wenn er abgebogen ist, kann er sich nicht satt hören an dem rhythmischen Klackern des Blinker-Relais. Dauerhaft hat er den Drang, den Hebel an seinem Lenkrad zu betätigen – und tut es oft. Zu oft.

Ebenfalls bekannt und gefürchtet sind die „Täuscher“. Das Chaos auf den deutschen Straßen scheint ihr Ziel zu sein, denn wenn ein deutlich schnelleres Auto im Rückspiegel auftaucht, täuschen sie einen Überholvorgang an, nur um in Seelenruhe auf ihrer Spur zu bleiben und das Spektakel der vielen PS-Prolls und Dauerraser als lustig-tragische Komödie zu betrachten.

Als vorletzte Gattung sind die „Frühstarter“ zu identifizieren. Gerade in den Kreisverkehren der Nationen sind sie gefürchtet. Viel zu früh, oft bereits bei der Einfahrt in den Kreisel, rutscht der Finger gen Blinker-Hebel und vermittelt so das falsche Gefühl der baldigen Ausfahrt.

Diese Liste schließt mit den „Richtig-Blinkern“. Wie in der Fahrschule gelernt, setzen sie ihren Blinker richtig ein – und machen ihn auch wieder zeitig aus. Gottlob, es gibt sie tatsächlich noch.

Schönen Sonntag!