Chance vertan

Weltkulturerbe: Mit dieser bunten Feder dürfen nur wenige auserwählte Städte oder Stätten schmücken. Knapp 40 sind es bislang in Deutschland. Die einzigartigen Dome in Köln, Speyer und Aachen gehören dazu. Und die Zeche Zollverein in Essen. Ebenso die Altstädte von Wismar, Quedlinburg, Bamberg und Regensburg. Natürlich die Schlösser von Potsdam, die Wartburg in Eisenach sowie die alte Kaiserstadt Goslar und das Mittelrheintal.

Der Titel ist begehrt. Er bringt richtig Schub im milliardenschweren Touristikgeschäft. Natürlich gibt es bei uns noch zahlreiche Orte, die würdig sind für die Weltkulturerbe-Liste und die als Kandidaten hoch gehandelt werden – so etwa der wundervolle Schlosspark von Schwetzingen (nahe Mannheim) und die grandiose Parklandschaft der Kasseler Wilhelmshöhe.

Dahinter laufen sich in allen Bundesländern weitere Bewerber warm. Bayern beispielsweise möchte die Märchenschlösser ihres spinnerten Königs Ludwig – also etwa Neuschwanstein – ins Rennen schicken.

Und aus Hessen kam am Mittwoch die Kunde, dass die Welt-Kurstadt des 19. Jahrhunderts, Wiesbaden, ebenso an den Start gehen will wie die Uni-Stadt Marburg und die Jugendstil-Stadt Darmstadt.

Vor hundert Jahren gab es in Darmstadt einen Großherzog, der ähnliche Ideen hatte wie Karl Ernst Osthaus in Hagen. In der südhessischen Residenzstadt entstanden dermaleinst Bauten, die von ihrer architekturgeschichtlichen Bedeutung her mit Hohenhof, Krematorium & Co. in der Volmestadt durchaus vergleichbar sind. Insgesamt hat Hagen allerdings bei diesem Thema die Nase vorn.

Es gibt noch einen weiteren Unterschied: Darmstadt versteht es schon seit über 30 Jahren, mit seinem Jugendstil-Pfund zu wuchern und von sich reden zu machen. An der Volme hingegen hat man sich eher in stiller Bescheidenheit geübt. Sprich: hier wurden Chancen verpennt. Wer in Deutschland heute vom Jugendstil spricht, denkt an Darmstadt, aber nur selten an die Volmestadt.

Experten sind sich sicher: Hagens Osthaus-Bauten hätten das Zeug, ein ernsthafter Anwärter auf den Welterbe-Titel zu sein. Doch was nutzt das? Wenn jetzt Darmstadt nominiert wird, kann sich Hagen eine Kandidatur von der Backe putzen – denn zweimal Jugendstil aus Deutschland wird es wohl kaum auf der Ehren-Liste geben.

Es ist ein Jammer.

Trotzdem schönen Sonntag!