Der Papst und der Götze

Na, heute kennt die Welt nun wirklich nur ein Thema, und da muss ich mich natürlich auch einreihen in die Riege derer, die aufgeregt über die Sache schwadronieren: Was macht eigentlich Papst Franziskus?

Es war ja zuletzt etwas still geworden um den Mann, der unseren Benedikt abgelöst hat und die Öffentlichkeit beim Amtsantritt mit seinem so bescheidenen Auftreten für sich einnahm. Der andererseits aber auch mit absolut exotischen Ansichten schockierte, in dem er zum Beispiel die Zweisamkeit von Mann und Frau als die natürliche Beziehungsform propagierte. So ein verrückter Bursche! Kurzum, man wusste gar nicht so recht, was man vom neuen Pontifex halten sollte.

Nun ja, der neue Papst geht nach wie vor pflichtbewusst zur Arbeit. Er hat sogar eine ausgesprochen beschäftigungsreiche Woche hinter sich. Letzten Samstag etwa war Frau Merkel zu Besuch und brachte Nachschub für die päpstliche Musiktruhe als Geschenk mit: 107 CDs mit klassischer Musik. Alle Aufnahmen des deutschen Dirigenten Wilhelm Furtwängler, den Franziskus für seine Beethoven- und Wagner-Konzerte schätzt. Dazu ’nen bisschen was zu schmökern: Hölderlin. Gesammelte Werke. Da kann man als Papst nach Feierabend schon mal die Füße hochlegen, um bei flotter Musik und kurzweiliger Lektüre die Seele baumeln zu lassen.

Zumal, wenn man anderntags schon wieder neue Herausforderungen vor der Brust hat. Bei der Pfingstmesse soll der Papst sogar eine Teufelsaustreibung vorgenommen haben. Was der Vatikan weder eindeutig bestätigen noch dementieren möchte. Geplant wär das jedenfalls nicht gewesen, heißt es sinngemäß aus Rom. Vermutlich eher so nebenbei mit erledigt. Warum auch nicht, wenn sich unverhofft die Gelegenheit gibt, seinem Gegner eins auszuwischen.

Von einem anderen Widersacher des Papstes las ich ebenfalls diese Woche – der Götze bewegte den Blätterwald. Ich hab mal nachgeschlagen. Mit Götze bezeichnet man in solchen Religionen wie dem Christentum abwertend einen der eigenen Religion fremden Gott oder Abgott, schreibt das Lexikon. Das deutsche Wort Götze ist eine um den Buchstaben „z“ erweiterte „Verniedlichung“ der Bezeichnung Gott und bedeutet soviel wie „kleiner Gott“. Das entsprechende hebräische Wort hat die Grundbedeutung „nichts“, „nichtig“. – „Denn aller Heiden Götter sind Götzen“, heißt es nach Luther. Als Götze gilt laut Luther alles, „woran der Mensch sein Herz hängt“.

Ob Luther da auch schon den Fußball und seine Idole im Blick gehabt hat? Wohl kaum, denn die gab es zu seiner Zeit ja noch nicht. Und der Papst muss heute auch nicht einschreiten, wenn in London die beste Fußballmannschaft Europas gekürt wird, denn der Götze, so wurde vermeldet, spielt im Champions-League-Finale überhaupt nicht mit.

Aber das sei nur am Rande erwähnt. Wer interessiert sich am heutigen Samstag schon für Fußball?

Schönen Sonntag!