Die Welt der Düfte

Hauskater Julius hat soeben wieder einmal Nahrungsmittel im Wert von einem Euro vernichtet. Er war neugierig hinter das ausziehbare Gitterschubfach im Vorratsschrank geklettert und hatte sich zwischen Nudeln, Thunfisch, Pesto und gemahlenen Mandeln ein bisschen umgetan. Als Frauchen wieder nach ihm guckt, hat er bereits zwei Tüten mit Hühnersuppe aufgebissen!

Er mag halt Hühnchen. Und er kann gut riechen. Sogar durch die Alubeschichtung des robusten Kunststoffbeutels hat er seine Lieblingsspeise erkannt.

Noch besser sind Hunde. Ihre Nasen sind wahre Wahrnehmungs-Weltmeister. Sie können damit nicht nur den Hautduft von Säugetieren riechen, sondern sogar die dazugehörigen Fettsäuren genau erkennen. Hunde riechen stereo! Jedes Nasenloch kann für sich die Welt der Düfte erkunden. Eine Menschennase hat 20 bis 30 Millionen Riechzellen. Da lacht doch der Dackel nur drüber! Er verfügt über 125 Millionen Riechzellen, ein Schäferhund gar über 220 Millionen. Je länger die Schnauze, um so besser die „Rieche“. Wenn der Hund eine Fährte verfolgt, atmet er bis zu 300 Mal pro Minute ein, um ständig neue Einzelheiten über die Duftsituation einzuholen.

Kaum zu fassen ist die Leistung der Polizeihunde: Sogar noch Tage später kann der Beamte auf vier Pfoten mittels seiner Nase nachvollziehen, wo genau der gesuchte Mordgeselle nach seiner Bluttat mitten durch die Stadt geflüchtet ist, bis seine Spur plötzlich endet, weil er wahrscheinlich in ein Taxi gestiegen ist. Für den Hund liegt also noch Tage lang das Duftbild eines Menschen erkennbar zwischen Auspuffgasen, Dönerbude, Bäckerei, Parfümerie und den Ausdünstungen von Tausenden von mittlerweile auch daher gelaufenen anderen Menschen.

Mit der Tierliebe der Zweibeiner ist es dagegen oft so eine Sache: Sicher, sie lieben ihren Fiffi und ihre Mieze. Aber was geht wohl in solchen Wahnsinns-Nasen vor, wenn die Menschen, die sie sonst gut riechen können, sich in ihrer Gegenwart einen Glimmstängel nach dem anderen anzünden und die Bude vollquarzen? Ob zugequalmte Hunde und Katzen sich demnächst formieren, gegen Körperverletzung und Belästigung protestieren, Unterschriften sammeln oder mit Transparenten durch den Stadtpark ziehen: „Komm, sei kein Hase, schütze deine Nase!“

Verstehen könnt‘ man’s ja…

Schönen Sonntag!