Freie Presse

Wenn Markus Söder, der neue bayrische Ministerpräsident, etwas Gutes für Identität, Toleranz, Zusammenhalt und „deutsche Werte“ hätte bewirken wollen, hätte er gut daran getan, nicht Kreuze aufhängen zu lassen, sondern Auszüge aus dem Grundgesetz in Postergröße. Zum Beispiel die Artikel zur Religionsfreiheit, zur Gleichberechtigung und zur Pressefreiheit.

Apropos Presse- und Meinungsfreiheit. Am Donnerstag stand der seit 1993 existierende „Welt-Tag der Pressefreiheit“ auf dem Kalender. In Sachen Pressefreiheit hat sich die Lage auf dem Globus in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert.

Die „Inseln“ mit einer durch und durch freien Berichterstattung werden immer kleiner. Die Idee der „freien Meinungsäußerung“ ist ein Kind der europäischen Aufklärung des späten 18. Jahrhunderts. Dass diese Aufklärung in vielen Ländern des Nahen Ostens, Asiens oder Afrikas nie nachvollzogen wurde, nun gut, das muss man wohl akzeptieren.

Aber wie die „Reporter ohne Grenzen“ notiert haben, verschlechtert sich aktuell auch die Lage in Europa oder in „europa-nahen“ Staaten. Wie traurig es in der Türkei, Weißrussland und Russland ausschaut, ist allgemein bekannt. Aber auch in Ungarn, Polen, auf Malta oder in der Slowakei sieht’s trüber aus.

Vorne in puncto Pressefreiheit liegen Norwegen, Schweden und die Niederlande. Auch die Bundesrepublik ist nicht unbedingt ein Vorbild – sie rangiert bei den „Reportern ohne Grenzen“ lediglich auf Rang 15. Inzwischen muss man als Journalist in manchen Teilen Deutschlands damit rechnen, beschimpft, bedroht und mitunter sogar übelst drangsaliert zu werden, wie unlängst in Thüringen, wo Presseleute von Rechtsextremisten verfolgt und angegriffen worden sind.

Unsereins wählt sein Urlaubsland gerne danach aus, wie es vor Ort um die Pressefreiheit bestellt ist. Da fallen Russland, die Türkei, Ungarn und Polen natürlich völlig raus. Nur gut, dass Holland lediglich im Fußball abgesackt ist.

Schönen Sonntag!