Hackfrieden

von Bärbel Taubitz

Lecker Würstchen und Koteletts brutschelten vergangenes Wochenende in illustrer Runde auf einem hiesigen Balkon. Nachdem der Hunger gestillt war, wurde der Rost gleich sauber gemacht und beiseite gestellt.

Einzig der Grillgeruch wollte so recht nicht weichen. Irritiert schnupperte Susanne am Gitter, am Elektrokabel, an den Fleischresten auf den Tellern – nichts. „Es wird wohl von nebenan kommen“, beruhigte sie sich und ihren Besuch.

Stunden später: Der Gestank wird heftiger, erinnert mittlerweile an verbranntes Öl. Und im Schlafzimmer ist er unerklärlicher Weise stärker als draußen! Von unguten Gefühlen geplagt schleicht die Hausherrin, mittlerweile gästelos, um den Block, schaut auf Balkone und in Gärten – nichts. Schließlich klingelt sie sich durchs Haus und Nachbarhaus, um die Stinker aufzutun.

Mulmig wird’s ihr bei der Mieterin direkt unter ihrer Wohnung, denn man liegt im „Clinch“ miteinander. Doch die Dame öffnet nur müde murmelnd die Tür: „Bei mir ist nichts!“

Unruhig hockt Susanne wieder auf dem Bett, eingehüllt von einer unerträglichen Kokel-Aura. Da plötzlich klingelt’s Sturm. Völlig aufgelöst steht die Unten-drunter-Mieterin – jetzt hellwach – vor der Tür: „Sie haben mir das Leben gerettet! Ich hatte einen Hackbraten im Ofen und bin dabei eingeschlafen! Mir wäre fast die Küche abgebrannt!“ Und da diese direkt unter Susannes Schlafzimmer liegt, hätte das weit mehr Katastrophen verursachen können als nur einen heißen Po…

Dicke Luft herrschte noch tagelang in Susannes Gemächern, aber nicht mehr zwischen den Streithühnern. Die hoffen nun, dass der verkohlte Hackbraten die nachbarliche Hackerei beendet hat.

Schönen Sonntag!