Ideal schottisch

Wer in Italien, Griechenland und der Türkei eine Ferienwohnung mietet, sucht meist vergeblich nach der Kaffeemaschine. „Klassischen“ deutschen Filterkaffee trinken die Einheimischen eben nicht. Zur Bereitung ihres Mokka oder Espresso verwenden sie besondere Metall-Kännchen.

Kollege Robert findet solche kulturellen Unterschiede rund ums Kochen einfach faszinierend. Auf seinen Reisen durch Europa durchforstet er gerne die Haushaltswarengeschäfte nach Reiseandenken. Aus Schottland hat er sich einst einen Spurtle mitgebracht, erzählte er unlängst im Büro.

Einen was? – Die Kollegen glauben, er scherzt. Aber nein! Nein. Robert meint es ernst. Er könnte ganze Vorträge darüber halten und problemlos auch gleich den Redaktionskollegen – falls gewünscht – ein Portiönchen schau-spurtlen.

Spurtle sind hölzerne Stäbe, ähnlich einem Kochlöffel, aber eben ohne dessen „Schaufel“. Ein Spurtle-Stab hat unter dem Griff eine leicht verdickte Mitte, die in eine abgerundete Spitze ausläuft. Seit dem 15. Jahrhundert benutzen die Schotten solche Spurtle zum Kochen ihres geliebten Haferbreis. Dieser „Porridge“ kommt gesüßt oder gesalzen zu fast jeder Tageszeit auf den Tisch, mit oder ohne Nüsse, Obst, Sirup oder was auch immer beliebt.

Die schottische Leib- und Magenspeise „Porridge“ ist schnell gemacht, lecker, sehr gesund, vegetarisch, zudem auch noch super preiswert und schon deshalb einfach ideal schottisch. Die Zutaten wie Wasser oder Milch, Salz, Zucker und Haferflocken hat man zwischen Edinburgh und Inverness immer im Haus.

Man muss die Flocken aufkochen und dabei darf nichts anbrennen. Beim pausenlosen Rühren möchte der immer pappiger werdende Brei sich nur zu gern in einem Riesen-Klumpen am Löffel festklammern. Aber deshalb haben sich die Schotten ja ihren schaufellosen stabartigen Spezialrührer geschnitzt. Da kann nix dran festpappen.

Robert liebt seinen Spurtle und benutzt ihn mittlerweile seit zwei Jahrzehnten. Als Nicht-Schotte hat er trotzdem wohl kaum eine Chance, jemals beim „World Porridge Day“ am 10. Oktober den ersten Platz zu gewinnen. Dabei würde er nur zu gern auch einmal die Trophäe, den legendären „Golden Spurtle“, ins vordere Sauerland holen.

Allen Lesern einen schönen Sonntag – egal, ob mit oder ohne Haferbrei zum Frühstück.