Kein Nasegrübeln!

Gibt es geregelte Tisch-Manieren schon länger? – Aber sicher! Ohne Anstand und ohne Wissen, was sich beim Essen gehört, konnte man es ehedem genauso wenig weit bringen wie heute. Nur ging‘s damals noch robuster zu. Lesen Sie mal die „Tischzucht“ von 1645:

  • Du sollst dich bei Tisch nicht am Kopf oder an der Brust kratzen, und nicht in der Nase „grüblen“.
  • Es ist unanständig, die Speisen zu beschnuppern. Was man selber angegessen hat, soll man nicht wieder zurück auf die Servier-Platte legen.
  • Du sollst keine „Töne“ von dir geben und nicht „wie ein Schwein schmatzen“.
  • Trinke nicht, solange du etwas im Mund hast und trinke nicht so laut wie ein saufender Ochse.
  • Auch sollst du beim Kauen nicht so schmatzen wie ein Mastschwein und nicht am Knochen nagen wie ein Hund.
  • Werfe die Essensreste (Knochen und Sehnen) nicht wieder in die Schüssel und auch nicht bis an die Stubentür.
  • Du sollst die Butter nicht mit dem Daumen auf das Brot schmieren.
  • Du sollst nicht aus der gemeinsamen Fleischschüssel trinken. Nimm dazu einen Löffel.
  • Hat dein Tischnachbar die Hände in der Schüssel, so stoße deine Hände nicht auch noch hinein.
  • Hast du ein Stück von deinem Brot abgebissen, so tauche es nicht wieder in die gemeinsame Schüssel.
  • Nörgele nicht an Speisen und Getränken herum.
  • Man soll die Finger nicht abschlecken. Wische deine Finger und deinen Mund auch nicht an deinen Kleidern ab, sondern am Tischtuch.
  • Achte darauf, dass nicht alles gegessen wird, und reinige auf keinen Fall die Platte mit dem Brot.
  • Wein wird mit Wasser verdünnt, dann wird er geräuschlos getrunken, nicht gesüffelt.
  • Es wird sich nicht mit Messer oder Gabel in den Zähnen gebohrt.
  • Rülpse und kotze nicht über den Tisch hinweg. Schneutze dich auch nicht mit der bloßen Hand und auch nicht in das Tischtuch. Unterlasse es, bei Tisch zu husten oder zu niessen.
  • Man bittet, als erster aufstehen zu dürfen („mit Urlaub sollst aufstehen“) und lobe und danke Gott mit ernster und lauter Stimme für Speis und Trank.

Zurück in die Neuzeit. Die Sitten sind feiner geworden, was aber Pannen nicht ausschließt. Sitzt ein älteres Ehepaar beim Frühstück. Als er sein Frühstücksei löffelt, tropft ihm Eigelb auf sein frisches, weißes Hemd. Ärgerlich sagt er: „Ich sehe aus wie ein Schwein!“ Darauf entgegnet sie: „Ja – und bekleckert hast du dich auch noch.“

Schönen Sonntag!