Kurz erzählt

In der Kürze liegt die Würze. Besonders Werbespots wirken durch die kurz gefasste Botschaft. „Der Tag geht. Jonny Walker kommt“. „An meine Haut lass ich nur Wasser und CD“. „Rama macht das Frühstück gut“ – Sprüche dieser Art haben ganze Generationen geprägt.

Ein junger Werbefilmer hat nun daraus eine ganz neue Kunstform erschaffen. Er schreibt und veröffentlicht auf Twitter im Internet so genannte „Winzig-Geschichten“ (englisch: Tiny Tales). Schwarzer Humor, Aberwitziges und viel schaurig Gruseliges bündeln sich hier, mit maximal 160 Buchstaben. Im Kopf des Lesers stoßen die wenigen Worte aber ganz großes Kino an.

Bitteschön, hier acht solcher Winzig-Geschichten als Kostprobe:

  • Der Tunnelbau ging gut voran. Er musste jetzt ungefähr unter der Berliner Mauer sein. Noch etwa ein Jahr. Im November ‚89 würde er flüchten.
  • Gordon rechnete. Die Flutwelle war jetzt 10 Kilometer von der Küste entfernt. Noch könnten die ahnungslosen Dorfbewohner fliehen. Er bellte heiser.
  • Das mit der Wiedergeburt hatte sich Kate irgendwie anders vorgestellt. Epischer. Träge schwappte das Wasser an die Wand des Goldfischglases.
  • Die staubige Glaskugel leuchtete matt. Langsam hob die alte Wahrsagerin ihren Blick. „Und ?“ fragte Lady Di.
  • Al hatte seit 72 Stunden nicht geschlafen. Entkräftet stolperte er durch die karge Einöde. Er sah zum Himmel. Dort ging gerade die Erde auf.
  • Till zögerte. Dann drückte er auf den seltsamen Knopf. Es folgte, was 13,7 Milliarden Jahre später als „Urknall“ bekannt sein würde.
  • Eines Morgens stand ein Schneemann in ihrem Vorgarten. Außerdem war ihr Mann weg. Ein Zusammenhang, der ihr erst im März klar werden sollte.
  • Die Abendsonne durchspülte das Tal. Er atmete die laue Sommerluft. Ein perfekter Tag. Der Tyrannosaurus Rex schaute in den Himmel. Und sah den Kometen.

Nicht wahr, diese „Tüten-Romane“ quellen mächtig auf, wenn man seine Fantasie drüber gibt!

Schönen Sonntag!