Lawine und Kupfermünze

Von Claudia Eckhoff

Kleingeld ist lästig. Ständig macht es Ärger. Entweder fehlt es oder es bläht die Geldbörse bis zum Anschlag auf. Das Kramen nach den passenden Kupfermünzen – vor allem mit einer langen Warte-Schlange im Kreuz – bringt Stress.

Wenn es nach der EU-Kommission geht, soll mit dem Kramen bald Schluss sein. Das Prägen der Münzen kostet mehr als ihr Wert. Milliarden an Steuergeldern verschlingen gerade die allerkleinsten Münzen. Das rechnet sich nicht! Und für uns Verbraucher ist es doch eh wurst, ob 1,98 Euro oder 2 Euro. Sagt die EU-Kommission.

“Wer den Pfennig nicht ehrt, ist den Taler nicht wert“, hieß es früher bei uns, als die Mark noch 100 Pfennig wert war. Und jetzt soll das kleine Kleingeld auf den Schrott?

Schon jetzt nehmen viele europäische Nachbarn das Kupfergeld erheblich gelassener als wir. Manche Euro-Länder geben sich mit Münzen unter dem Fünf-Cent-Wert gar nicht erst ab. Da werden die Preise so aufgerundet und glatt gemacht, dass kein Mensch die Winzlinge benutzen muss. Da zahlt man mit großer Geste.

Im sonnigen Italien greift man wie zu Lire-Zeiten gern ins Bonbonglas: Statt Wechselgeld gibt es ein paar Bömskes. Aber wehe, der kleingeistige Nordländer nimmt es wörtlich und versucht, mit aufgesparten Klümpchen nun umgekehrt beim Bäcker sein Brötchen zu bezahlen!

Also, auch bei uns demnächst klebrige Bonbons statt 1- und 2-Cent-Münzen?

2 Cent – das waren kürzlich noch vier Pfennige! Und jetzt: kein Geld mehr, lästiges Pillepalle?

Eins ist klar: Abgerundet wird zur Vereinfachung sicher nicht! Also aufgerundet! – VORSICHT! Was glauben Sie, wie viel sich da im Laufe eines Monats zusammencenten wird! Merken Sie, was sich dahinter versteckt, was da lautlos angeschlichen kommt?

Die Inflation!

Noch können wir uns überlegen, was besser ist: Schweißgebadet an der Kasse in der Börse wühlen oder demnächst draufzahlen, und wieder draufzahlen und noch mal draufzahlen. Mit den 1- und 2-Cent-Münzen geht es los. Die 5- und 10-Cents stehen vermutlich schon auf der Todesliste.

Und dann zahlen wir eines Tages wieder mit wertlosem Papiergeld beim Bäcker pimpillionen an Euro für ein Brötchen. Alles schon mal dagewesen. Am Ende stand eine jahrelange tiefe Weltwirtschaftskrise mit dem Rattenfänger Adolf Hitler als katastrophalen Abschluss

Nein, wir wollen unsere kleinen Kupfermünzen behalten! Wir wollen bei uns eine sparsame, vernünftige Haushaltspolitik und Geldwertstabilität. Weil Inflation die Bürger für dumm verkauft und in die Armut treibt.

Jede Lawine beginnt mit einem ganz kleinen Schneeball. Erst sind es „nur“ die kleinen Kupfermünzen. Und dann haben wir irgendwann eine „Schöne Bescherung“!

Nein, danke.

Schönen Sonntag!