Lieblings-Katastrophe

Mit unserer Sonne stimmt was nicht! Forscher machen sich Sorgen. Sie spähen schutzbebrillt durch ihre Ferngläser, zählen die Sonnenflecken und runzeln die gelehrte Stirn. Es sind einfach nicht genug Flecken zu sehen.

Ähnlich wie Sommersprossen kommen und gehen diese Flecken auf der Sonnenoberfläche. Etliche sind größer als der Erddurchmesser. Je mehr es im Innern der Sonne kocht und brodelt, um so mehr Flecken erscheinen auf ihrer Oberfläche. Alle elf Jahre erreicht die Dichte der Flecken ihren Höhepunkt und flacht dann wieder ab.

Bei den derzeit mickrigen Flecken kann es aber in der Sonnenküche nicht allzu hektisch hergehen…

O je. Das lässt Schlimmes befürchten. Deutet sich da eine bevorstehende Kälteperiode an, eine Solar-Flaute?

Experten vom Institut für Sonnenphysik in Freiburg haben Ende Juni die Öffentlichkeit alarmiert: Es könnte der Erde ein neues „Maunder-Minimum“ drohen! So etwas sorgte zuletzt in den Jahren 1645 bis 1715 in Europa für Hunger und Elend. Eisekalt war es, tiefgefroren. Die Leute sind umgefallen wie die Fliegen und es wollte nichts wachsen auf den sonnenlosen Äckern. Reihenweise verhungert und erfroren sind sie damals. Da gab es die erste große Auswanderungswelle in Richtung Neue Welt: Hilfe! Amerika, wir kommen!

Aber halt: Hat man uns nicht die ganze Zeit mit dem bösen, bösen Treibauseffekt genervt und geängstigt?

Wie jetzt? Friert bei uns demnächst die Hölle ein oder treibt es am Nordpol die Eisbären endgültig auf die Palme?

Sorgt vielleicht dieses Sonnen-Dings-Syndrom für einen Ausgleich bei der Klima-Veränderung? Dann wären wir doch fein aus dem Schneider! Zwei dunkel dräuende Katastrophen, die sich gegenseitig aufheben! Hurra!

Noch ein Beispiel gefällig? Vor einigen Jahren warnte ein führendes deutsches Nachrichten-Magazin vor einer gewaltigen Bevölkerungs-Explosion in Afrika.

Im gleichen Heft wurde 100 Seiten später vorausberechnet, dass der schwarze Kontinent durch die anschwellende AIDS-Seuche demnächst entvölkert sein würde.

Da können sich Herr Sorge, Frau Vorsorge und Fräulein Entsorge und mitsamt ihren aufgescheuchten Politikern endlich ihre Lieblings-Katastrophe aussuchen, die ihnen nächtens den Schlaf und tagsüber die Lebensfreude raubt.

Wir ahnungslosen Normalos halten uns dagegen weiter an den bewährten Sponti-Spruch aus alten Tagen: Was auch kommt, es kann nur besser werden – und wird es schlechter, dann war es wenigstens früher gut.

Einen schönen, ruhigen Sonntag!