Sommerlochtier 2012

Pünktlich mit den großen Ferien kommt, alle Jahre wieder, für den Zeitungsredakteur das Sommerloch. Interessante Meldungen werden spärlicher. Es passiert einfach weniger als sonst.

Der geneigte Leser hingegen lauert bei gemäßigten Sommertemperaturen, unterbrochen von langweiligen Regengüssen, erwartungsvoll auf unterhaltsame Nachrichten. Doch woher nehmen?

Tier-Geschichten laufen immer. Das haben wir in den letzten Sommern gelernt. So wie einst Kaiman Sammy 1994 das Rheinland von einem Baggerloch aus in Angst und Schrecken versetze. Oder Wels Kuno, der 2001 in Mönchengladbach einen Hundewelpen gefressen haben soll. Dazu noch Schildkröte Schnappi, die 2005 in einem See bei Garmisch-Partenkirchen einen Jungen gebissen hatte. Und Bruno der Bär, der die Wälder unsicher machte und seinen Gänseklau mit dem Leben bezahlen musste. Nicht zu vergessen die Liebesgeschichte von Schwani dem Schwan und das Sommerlochtier des vergangenen Jahres, die Kuh Yvonne. Wochenlang sorgte sie für fetzige Schlagzeilen. Über drei Monate versteckte sich das Milchvieh im Wald. Täglich erreichten uns neue Nachrichten von dem durchgeknallten Rind. Es war das Sommer-Drama 2011. Kuh-Versteher wurden interviewt und beantworteten drängelnde Fragen wie: Kann Yvonne im Wald überleben, auch bis in den Herbst hinein?“ – Warum lässt sie sich nicht einfangen, obwohl sie an Menschen gewöhnt ist?“ – Vielleicht, weil ihre Flucht zu wichtig war, für die Nachrichten-Agenturen ebenso wie für die Tierschützer.

Diesjähriger Sommerloch-Aufreger-Hit könnte ein Krokodil werden, das im Mittleren Klausensee bei Schwandorf (Bayern) gesichtet wurde. Da, wo sonst nur harmlose Karpfen und Stockenten paddeln, lauert ein furcht-einflößendes Raub-Reptil. Schon viele wollen es gesehen haben. Polizeitaucher suchten allerdings erfolglos. Für die Öffentlichkeit wurde der See aus Sicherheitsgründen trotzdem gesperrt. Vielleicht ist das alles ja nur ein Werbe-Gag der Firma Lacoste“.

Sicher ist: Erstens, das Phantom-Krokodil wird demnächst einen putzigen Namen bekommen, Drakula“, Vampir“, Schnappi“ oder so. Zweitens, Tierschützer und Menschenschützer werden sich fetzen, ob das (vielleicht garnicht vorhandene) Reptil lebend oder tot entsorgt werden soll. Drittens, eine Lösung gibt es frühestens zum Ferienende. Denn dann geht die nachrichtenarme Zeit zu Ende und dann gibt es wirklich wieder Wichtigeres als ein ausbüchstes oder ausgesetztes oder erfundenes Voralpensee-Krokodil.

Schönen Sonntag!