SonnTalk: Genau betrachtet

Das Jahr hat 365 Tage und das reicht im Grunde schon lange nicht mehr aus, um all die Themen unterzubringen, denen sie gewidmet sein sollen. Auch das noch taufrische 2019 wartet mit Welttagen ohne Ende auf. Wir dürfen uns freuen auf den Tag der Muttersprache, der sozialen Gerechtigkeit, der Familie insgesamt und dann noch der Frau, des Mannes und der Kinder einzeln. Ihr Recht fordern auch der Tag der Poesie, der Wetterkunde, des Wassers, der Berge, der biologischen Vielfalt, der Erhalt der Ozonschicht und der Weltraum. Andere Tage würdigen das geistige Eigentum, die Genossenschaften, die Lehrer, die Pressefreiheit, die Demokratie, die menschliche Solidarität, das audiovisuelle Erbe der Menschheit, die Nichtraucher, die Umwelt, die Blutspende, die Zivilluftfahrt, Aids, den Weltpostverein, die Opfer der Sklaverei und des transatlantischen Sklavenhandels.
Das ist nur ein kleiner Auszug aus der langen Liste, die offenbar von Jahr zu Jahr länger wird. Wer mag, kann gleich am nächsten Dienstag, 8. Januar, mit der Thematisierung beginnen. Dann nämlich wird weltweit der „Männerbeobachtungstag“ begangen. Wohlbemerkt: Es handelt sich dabei keineswegs um den „Tag des Mannes“. Der steht nämlich erst am 19. November auf dem Plan. Der Ursprung des „Männerbeobachtungstages“ ist genauso unbekannt wie seine Geschichte oder sein Sinn und Zweck. Sei‘s drum: Jeder darf mitmachen bei dem, was auf Englisch „Male Watcher‘s Day“ heißt. Moment! Könnte da einer einfach etwas falsch verstanden haben? Denn die Wal-Beobachter heißen auf Englisch „Whale Watchers“ und die haben doch garantiert auch schon ihren eigenen Thementag im Jahreskalender.
Wie geht Männerbeoachtung? Nun, Ferngläser dürfen benutzt werden, sind aber nicht verpflichtend. Nirgends steht geschrieben, dass man nur zuhause den heimischen Mann beobachten dürfe. Man (oder frau) findet das größte natürliche Beobachtungsfeld dort, wo sich Männer bevorzugt konzentriert aufhalten, also im Fußballstadion, in der Bar, im Fitnessstudio.
Und was soll das? – Ganz ehrlich: Keine Ahnung. Aber gehen wir das neue Jahr doch mal ganz offen, experimentierfreudig und bedenkenlos an. Mal sehen, wo es uns hinführt.
Schönen Sonntag.

von Claudia Eckhoff

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