Stippen, nicht trinken!

Zur Konfirmation der Enkeltochter wollte Oma Margret am Abendmahl teilnehmen. Jahrzehnte war es her, seit dem letzten Mal. Woher sollte sie die neuen Regeln kennen, wie man Hostie und Wein zu sich nimmt?

Ahnungslos schritt sie im feierlichen Gottesdienst zum Altar, um sich Leib und Blut Christi einzuverleiben.

Die Hostie, die der Pfarrer ihr reichte, steckte sie in den Mund und wartete auf das gute Schlückchen Messwein, um die Oblate damit herunter zu spülen. So kannte sie das und so hatte sie das schließlich gelernt.

Der Pfarrer reichte ihr den Kelch mit dem Rebensaft, der nach jetzigem Reglement nicht mehr getrunken wird. Oma Margret wollte aber ihr Schlückchen, so, wie es immer war, und riss den Wein an sich. Der irritierte Pfarrer zog zurück. So ging das ein paar Mal hin und her und Oma Margret verstand nicht, warum sie keinen Wein bekam.

Ihre Tochter, die neben ihr kniete und sich langsam fremd schämte, zischte ihrer Mutter zu: „Stippen, nicht trinken!“, denn in der Johanniskirche wird die Hostie nur kurz in den Wein gestippt.

Doch Oma Margret, etwas schwerhörig, verstand „spucken“ statt „stippen“ und spie die Hostie im hohen Bogen in den Kelch. Die Tochter versank vor Peinlichkeit fast in den Boden und flüchtete nach draußen.

Glücklicherweise ist der liebe Gott nachsichtiger. Wir lernen daraus: Nichts ist so einfach, dass man es nicht falsch machen könnte.

Schönen Sonntag!