Super-Kraut

Etwas verdruckst „Liebstöckel“ heißt das aromatische, dem Gärtner bis zum Kinn hochwachsende Küchengewürzgewächs. Besser bekannt ist es bei uns als „Maggikraut“. Lasset uns heute ein Loblied singen auf dieses Pflänzchen. Warum? – Weiterlesen!

Wahrscheinlich stammt die Pflanze aus dem Nahen oder Mittleren Osten. Vielleicht aus Persien? Sie mag es warm und wäre bestimmt gerne am Mittelmeer geblieben. Das Schicksal trieb sie weiter nach Norden, wo sie im kälteren Klima verwilderte – aber auch, kultiviert in Gemüse- und Kräutergärten, zum Super-Star wurde.

Das ganze Gewächs duftet. Ihr Geschmack erinnert an Sellerie, ist aber schärfer und bitterer. Fein gehackt eignen sich ihre Blätter zum Würzen von Suppen, Salaten und Eintöpfen. Ihre getrockneten Samen geben Braten und sogar Brot den rechten Kick. Die Früchte motzen Käsegerichte und herbes Gebäck ordentlich auf. Da kann man sich Mengenangaben wie „Prise“ oder „Teelöffel“ oder gar „Messerspitze“ sparen: „Immer rein damit!“

Weswegen eben das Maggikraut in kaum einem Kräuterbeet fehlt. Und die Maggi-Flasche mit der flüssigen Würze steht in jedem Küchenschrank, auch zur nachhaltigen Übertünchung von Zubereitungs-Pannen am Küchenherd. Die Pampe steckt schon seit 1909 in der unverkennbaren eckigen dunklen Flasche mit dem gelb-roten Etikett und dem roten Klappverschluss. Geändert hat sich an ihr weder äußerlich noch innerlich irgendetwas, obwohl während ihres langen Lebens um sie herum mehrfach die Welt fast komplett in Schutt und Asche fiel. Das Gute bleibt eben.

Die flüssige Maggi-Würze kommt aus dem schweizerischen Cham, wo tagtäglich Tonnen von Instantsuppen, Brühwürfeln, Fertigsoßen und Schnellgerichten produziert werden.

Und in allem ist Liebstöckel drin? – Oh, nein. In der Maggi-Würze ist vor allem Pflanzenprotein aus Sojabohnen und Weizen, verstärkt durch Mononatriumglutamat, Aroma und Salz. Neuerdings – man geht mit der Zeit – auch mal mit Chili in der Variante „Maggi Hot“. Eins jedenfalls ist erstaunlicherweise gar nicht drin: Maggikraut, also Liebstöckel! Nicht ein Fitzel! Kein einziger Krümel!

Denn das Kraut und die Würze haben wirklich und wahrhaftig nichts miteinander gemein: Julius Maggi (italienisch ausgesprochen ‚Madschi‘) hieß der Erfinder der schwarzen schweizerischen Würzsoße. Und genau 125 Jahre ist es her, dass dieser Julius erstmals seine unvergängliche, nach Liebstöckel duftende Brühe zusammenrührte. Herzlichen Glückwunsch!

Und einen würzigen Sonntag!