Von Amts wegen

Jetzt kommen Briefe aus deutschen Amtsstuben. Von Anno Dunnemals! Heile Welt. Genauso bürokratisch wie heute. Aber irgendwie menschelt es noch gehörig.

Eine Landwirtin in Langenbrücken hatte 1923 ein Problem mit Ratten. Um das notwendige Gift aus der Stadt-Apotheke zu bekommen, muss sie dem Apotheker eine „Behördliche Beglaubigung“ vorlegen. Darin heißt es: „Das Bürgermeisteramt bestätigt hierdurch, daß die Bäuerin Mathilde Koch von Ratten befallen ist. Da dieselbe einen anständigen Lebenswandel führt, kann man ihr Gift geben.“

Frau Weinerl aus Holmen wird sich 1926 über dieses amtliche Schreiben wenig gefreut haben: „Sehr geehrte Frau Weinerl, wir teilen Ihnen mit, daß die Grabstätte neben Ihrem im Jahre 1911 verstorbenen Ehemann anderweitig besetzt wird. Wir bitten Sie höflichst, Ihren Gatten hiervon in Kenntnis zu setzen.“ So schrieb es „in vorzüglicher Hochachtung“ der Ratsschreiber Jäger.

Mit gleich zwei Stempeln, aber unleserlich dahingekritzelter Unterschrift kommt dieses einmalige Leumundszeugnis vom 26. Mai 1928: „Der Heinrich Linse ist seiner Bildung entsprechend ein dummer Mensch. Mütterlicherseits ist ihm nichts nachzusagen, väterlicherseits aber sauft er. Leumund hat er fast gar keinen mehr. Er macht zunächst einen ungünstigen Eindruck, verliert aber bei näherer Bekanntschaft.“ Peng! Das heute? Unvorstellbar.

Ohne Datum ist diese Notiz, die draußen an der Eingangstür des Standesamtes Bruchsal hing: „Verordnung. Für Geburten sind die Wochentage Dienstag und Donnerstag morgens von 9 bis 12 Uhr festgesetzt.“ – Ob das der Storch begriffen hat?

Dem Gerichtsvollzieher Meiser zitterten am 14. September 1965 wohl noch die Knie, als er schrieb: „Gegen den Kostenschuldner August Schultze konnte ich nicht vorgehen, weil er sich bereits in einer anderen Kostensache erhängt hatte. Nachdem ich diese Feststellung gemacht hatte, verließ ich den Ort des Schreckens und ging haarsträubend nach Hause.“

In Coesfeld hatte sich ein Bürger über die funktionsuntüchtige Rathausuhr beschwert. Aber da hatte er die Rechnung ohne den Ratsschreiber gemacht: „Auf Ihren Brief teilen wir Ihnen mit, dass unsere Rathausuhr regelmäßig geht. Es fehlen nur die Zeiger“.

Ach so!

Schönen Sonntag!