Von Kunden und Verkäufern

Neulich in einem Elektrofachgeschäft irgendwo hier mitten in unserer Region: Zwischen Waschmaschinen und Kühlschränken, Haartrocknern und Staubsaugerbeuteln steht eine kleine Wellness-Insel. Darauf präsentiert der Laden sein Sortiment an elektrischen Zahnbürsten, Lady-Rasierern, Mundduschen und kleinen Massage-Geräten. Ein wohlgekleidetes Ehepaar der „Generation 60 Plus“ in absolut makellosem Outfit und mit gewählten Umgangsformen lässt sich informieren.

Die Herrschaften interessieren sich für Massage-Geräte. Eins kommt hauptsächlich in Frage. Der junge Fachverkäufer – sein Namensschild lässt auf Migrations-Wurzeln im östlichen Mittelmeerraum schließen – bedient sie. In vornehmem, leisen Ton befragen ihn die beiden Kunden über alle Details zum Gerät: Garantie? Ersatzteile? Pflege? Schaltstufen? Wohlfühl-Garantie? Lebensdauer?

Seine Antworten gefallen. Das Gerät soll es sein. Der Handel scheint perfekt.

Aber dann kommt ganz leise eine Frage der Dame, die den Fachverkäufer offensichtlich überrumpelt: „Und? Was tut sich da noch am Preis?“, fragt sie.

Hierzulande stehen die Preise auf den Etiketten und sind bindend, so glaubte wohl auch der junge Mann, dessen Vorfahren sicherlich tagtäglich noch den Preis fürs Fladenbrot auf dem Basar neu ausgehandelt hatten. „Wie?“, presst er hervor, „was soll sich denn da am Preis noch tun?“

Das ist keine moderne Geschichte. Schon Wilhelm Busch ließ seinen Maler Klecksel reimen: „Mit scharfem Blick nach Kennerweise, seh‘ ich zuerst mal nach dem Preise.“ Orientalische Feilscherei ist also schon seit mindestens 140 Jahren bei uns angekommen, ein alter Hut, sozusagen.

Wie es mit dem Massagegerät ausging? – Keine Ahnung. Aber kurze Zeit später verließ das kultivierte Paar zufrieden lächelnd mit einem Karton den Laden.

Und unsere „gewürgter“ Verkäufer? Er dachte vielleicht an seinen Kollegen im Roman. „Aufhängen!“ „An die Wand stellen!“ „Ausknipsen!“, hatte dieser patzig, aber korrekt auf die Frage einer älteren Dame geantwortet, was man denn mit Lampen alles machen könne.

Schönen hellen Sonntag!