Wunderbar unkaputtbar

Frosch-grün steht es auf Schwiegermutters Wohnzimmeranrichte. Es sieht noch genauso aus wie in den fernen bunten 70er Jahren. Damals war so etwas in fast jedem Haushalt zu finden.

Ein grünes Telefon. Mit Wählscheibe, schwerem Hörknochen und dem etwa ein Meter langen Wandkabel. Auch im März 2013 funktioniert es noch. Wenn jemand anruft, nimmt Schwiegermutter den Hörer ab und setzt sich neben das frosch-grüne, vierzig Jahre alte Telefon.

Es gehörte einem nicht. Es war gemietet. Wenn man einen Telefonanschluss beantragte (!), wurde das Ding mitgeliefert. Man konnte sich nur die Farbe aussuchen. Sehr beliebt war in den 70ern vor allem Orange. Der Apparat blieb im Besitz der Deutschen Post, dem damals einzigen Telefonanbieter im ganzen Land. Und genau da liegt wohl der Grund für die guss-eiserne Unkaputtbarkeit von Schwiegermutters Telefon.

Heute gehören unsere Telefone uns selber. Sie haben eine Garantiezeit von maximal zwei Jahren und sind oft kurz danach kaputt und zwar irreparabel. Es hilft nichts, wir müssen ein neues kaufen – und ein neues – und ein neues – und ein neues…

Im Jahr 1901 knipste in der Feuerwache des Städtchens Livermore in Kalifornien irgendjemand das Licht an. Die Glühbirne von damals brennt noch, seit sagenhaften 112 Jahren. Sie ist die älteste noch funktionierende Glühbirne der Welt. Alle Lampen könnten so lange halten. Der Glühdraht müsste gar nicht durchschmelzen. Allerdings würden die Hersteller dann kaum noch Birnen verkaufen. Also sprachen sie sich 1924 ab. Die Ingenieure machten in den Draht eine Sollbruchstelle. 1941 flog das Ganze auf. Als „Phoebuskartell“ ging diese Geschäftemacherei in die Geschichte ein. Geblieben ist jedoch die kurze Lebensdauer der Glühbirnen. Und der Handys, der Kaffeemaschinen, der Fernbedienungen, der Haarföne, der Mixer, der Staubsauger …

150.000 Stunden hält eine LED-Lampe, derzeit. Wahrscheinlich wird die nächste Generation nur noch 150 Stunden halten.

Schönen Sonntag!