Wunderwelt

Der rastlose menschliche Tüftlergeist wird auch weiterhin Wunderwerke erfinden, um die menschliche Bequemlichkeit zu steigern.

Wir errichten mächtige Windparks weit draußen auf See, wir faxen, wir saugen Staub, wir mailen, wir telefonieren mobil, fahren mit Hybridfahrzeugen, fliegen in den Urlaub rund um den Globus. Wir kochen mit unsichtbaren Mikro- und Magnetwellen – ganz ohne Wasser und Feuer. Wir steuern den halben Haushalt mit der Fernbedienung und lassen uns dabei mit Ton und Bild dauerberieseln. Wir grillen ohne Kohlen, wir schreiben Briefe ohne Papier, wir legen in Windeseile Hunderte von Kilometern zurück fast ohne uns zu bewegen und errichten, wie in China, gigantische Staudämme, die jedes Vorstellungsvermögen sprengen. Wir sausen zum Mond und gucken Satelliten-Fernsehen.

Mensch, je länger die Liste hier wird, um so gruseliger wird es, finden Sie nicht? Wenn all das Wunderzeugs plötzlich weg wäre – Peng! -, wer von uns wäre wohl in der Lage, überhaupt nur ein Feuer zu machen?

Mich wundert bald gar nichts mehr: Bei Erkältungen müssen wir demnächst für eine Diagnose nicht einmal mehr zum Arzt gehen. Ein einfaches Vor-Husten am Telefon reicht schon aus und – schwupp – kommt die Analyse, das Rezept oder gleich die Pille.

Und auch aus der Obstabteilung der Supermärkte kommt bald Neues: Wissenschaftler der Hochschule Bochum haben einen Tütenöffner erfunden, mit dem sich die hauchdünnen, ewig und elend zusammenpappenden Plastiktüten mittels eines „elastischen Andruckelements“ problemlos öffnen lassen. Endlich! Darauf hat die Welt gewartet.

Fortschritt ist der Weg vom Urknall zum Endknall. Den allergrößten Teil dieses Weges hat die Menschheit vermutlich schon hinter sich.

Schönen Sonntag, mitten in der Wunderwelt!