Alles geregelt

Unsere Papiertaschentücher heißen „Tempos“ – auch wenn wir die weißen Tüchlein von einem ganz anderen Hersteller beim Discounter gekauft haben. Pure Gewohnheit. Ähnlich ist es, wenn wir mit unserem Auto alle Jahre wieder zur Hauptuntersuchung müssen. Dann fahren wir zum „TÜV“. Dabei wird mindestens die Hälfte aller Autos in Deutschland gar nicht mehr vom TÜV inspiziert, sondern von Technikern anderer Organisationen. Etwa von den Ingenieuren der Dekra.

Der Spruch „Ich muss zum TÜV“ rührt aus alter Zeit her. Früher gab es nur die Technischen Überwachungsvereine – wohlgemerkt: private Vereine -, die im Auftrag des Staates unsere Autos nach Mängeln durchsucht haben. Doch das TÜV-Monopol ist längst vorbei. Deswegen ist amtlich ja auch von der Hauptuntersuchung (HU) die Rede. Das Dumme nur: Wir haben uns – wie bei den Tempos – so sehr an den „TÜV“ gewöhnt, dass niemand etwas mit dem Satz „Ich muss zur HU“ anzufangen weiß.

Gewohnheit hin, Gewohnheit her – wir sind in Deutschland. Und da leben wir im Schatten von Sankt Bürokratius – staubtrockene, gnadenlos doofe Bürokratie. In Autoanzeigen darf der Begriff „TÜV“ überhaupt nicht mehr drin stehen. Weil es eine Eigenmarke ist. Wer‘s dennoch tut, riskiert eine Geldstrafe (Abmahnung). Auch „HU“ allein ist abmahnverdächtig. Richtig ist einzig: „HU durch staatl. anerkannte Prüforganisation.“ Puh! Warum einfach, wenn‘s umständlich geht.

Ähnlich dumpfsinnig geht‘s auch in Eilpe zu. Am Awo-Treff „Schultenhof“ wäre dringend eine seniorengerechte Rampe notwendig. Nach Berechnungen des Architekten Peter Hoff kostet das Ding etwa 10.000 Euro. Das Geld wäre da – aus Mitteln des für Eilpe geltenden Stadtumbaus West. Doch unsere Politiker verblasen lieber 140.000 Euro für die Umgestaltung eines Grundstückes an der Eilper Straße. Mit dem Geld entsteht in Höhe der Kniestraße ein Platz, den niemand braucht. Die Idee hierfür stammt noch aus einer Zeit, als an dieser Stelle eine Brücke über die Volme angedacht war. Die Brücke kommt jedoch erst am Sankt Nimmerleinstag, also nie mehr.

Aber der Platz ist durchgeplant und seit Jahren beschlossene Sache. Also wird er auch gebaut. Punkt. Fertig. Schluss. Das ist so vernünftig wie ein Kühlschrank für den Nordpol. Sollen doch die Senioren am Schultenhof gucken, wo sie bleiben…

Es lebe die Bürokratie!