Auf der Flucht?

„Die SPD ist auf der Flucht“, behauptete Kanzlerin Angela Merkel am Montag auf dem CDU-Parteitag in Karlsruhe. Nun, ob das für die angepeilten Berliner Genossen gilt, weiß Tilo nicht. Volle Hacke zutreffend ist es für Hagen. Am Wochenende beschäftigten sich die Sozis auf ihrem Unterbezirksparteitag auch mit dem gigantischen Hagener Schuldenberg. Und was haben sie beschlossen? Nichts! Sie wollen sich erst im Februar wieder aus der Deckung wagen und sich bis dahin in Ruhe des Themas annehmen.

In Ruhe? Das ist wie Feuerwehr vor dem brennenden Hotel. Erst mal gründlich überlegen und nachdenken? Keine gute Strategie! Der Schuldenberg wächst, nein, explodiert seit Jahren. Alle zwölf Monate kommen weit über 100 Millionen hinzu, JEDEN TAG satte 300.000 Euro, auch sonntags – und die Hagener Genossen haben alle Zeit der Welt. Bis Februar sind es weitere 25 Milliönchen mehr!

Oberbürgermeister Jörg Dehm ist längst drei Schritte weiter. Er hat schon nach der Sommerpause einen Vorschlagskatalog unterbreitet, der Ausgabenkürzungen und Einnahmeerhöhungen im Wert von immerhin etwa 90 Millionen Euro vorsieht. Damit zog er im September auch durch die Stadtteile, um die Bürger zu informieren und sich deren Sparvorschläge anzuhören.

Da ging es ähnlich zu wie bei der SPD. Die meisten Bürger machten sich „dünne“ – sprich: die Beteiligung war eher dürftig. Und die wenigen, die kamen, mochten sich mit Dehms Vorschlägen kaum anfreunden. Rund zwei Dutzend Vorschlagspakete hatte der OB im Gepäck – nur viermal gab‘s ein Ja: Bei der „Erhöhung der Gewerbesteuer“, bei der „Erhöhung der Bußgelder bei Verstößen gegen die Stadtsauberkeit“, bei der „Anschaffung neuer Geschwindigkeitsüberwachungsanlagen“ und bei der „Anpassung des Schulangebots an die deutlich geringere Kinderzahl“.

Die meisten anderen Vorschläge fielen mit Pauken und Trompeten durch – so auch die Idee, eine Reihe von Kinderspielplätzen zu schließen (86 Prozent stimmten mit „Nein“). Dabei haben wir in den meisten Stadtteilen wirklich genügend Spielplätze bei immer weniger Kindern. Beispiel Halden: hier hat sich die Anzahl der Kinder in den letzten zwei Jahrzehnten halbiert, die Zahl der Spielplätze jedoch verdoppelt.

Aber offenbar ist „Kopf in den Sand stecken“ schöner, als solche Schieflagen zu korrigieren. Das mag sein. Aber irgendwann ist der Sand nicht tief und der Hals nicht mehr lang genug. Jetzt. Nicht erst nächstes Jahr. Dann ist Schluss mit Kindergarten. Dann ist Sandsturm angesagt. Und genauso sieht es dann aus in Hagen.

Tilo