Banane

Die Hagener Staatsanwaltschaft hat jetzt Otto Marscheiders Unschuld bestätigt. Alles okay, zurück zur Tagesordnung? Moment mal!

Anfang August 2009 – kurz vor der Kommunalwahl – bekam der Schlossermeister einen Brief. Absender: die Stadt Hagen/Amt des Rates mit Amtsleiter Horst Flüshöh (SPD). Inhalt: Marscheider habe in den vorherigen zehn Jahren unrechtmäßig rund 25.000 Euro an Aufwands-Entschädigung kassiert. Obendrein stellte die Stadt eine Betrugsanzeige in Aussicht. Marscheider war damals Fraktionsvorsitzender der Partei „Bürger für Hagen“ – und bewarb sich um das Amt des Oberbürgermeisters.

Noch einmal: Es ging 2009 um Rückzahlungs-Forderungen aus ZEHN Jahren! Und ausgerechnet wenige Tage vor der Wahl fällt der Stadt auf, dass Otto Marscheider falsch abgerechnet hat? Das allein ist schon ein Hammer und müffelt wie sieben chinesische Stinktöpfe! Damit nicht genug: Der brisante Brief (mit Postzustellungsurkunde) gelangte in die Öffentlichkeit, bevor er den völlig verdatterten Marscheider selbst erreichte. Mitten in der heißesten Wahlkampfphase!

Ein ganz durchsichtiges Süppchen also. Otto Marscheider sollte bloß gestellt, platt gemacht werden. Von so einem Kleinkriminellen würden sich die Wähler (verständlicherweise) abwenden. Genau das taten sie. Zwar konnte Marscheider doch noch in den Rat einziehen. Aber er war zum politischen Aussätzigen geworden.

Anfang September 2009 musste Marscheider von seinem Amt als Vorsitzender der „Freien Wähler Bürger für Hagen/Bürger für Hohenlimburg“ (BfH) zurücktreten. Ein paar Wochen später spaltete sich der Partner aus dem Lennetal ab – die „Bürger für Hohenlimburg“. Der langjährige BfH-Vorsitzende Ewald Stroschein und BfH-Ratsmitglied Siegfried Feste erklärten gemeinsam mit vielen anderen Mitgliedern den Austritt aus der Wählergemeinschaft. Die BfH ist seitdem tot, mausetot. Marscheiders Polit-Karriere ist zerdellert.

Eine Schweinerei. Man muss Otto Marscheider, seine ruppige Art und seine Politik nicht mögen. Aber was hier passiert ist, ist ist ja wohl das Hintallerletzte. Da wurde jemand „mal eben“ genau zum richtigen Zeitpunkt kalt abserviert. Eine Granaten-Sauerei – nicht allein gegenüber Marscheider, sondern vor allem dem Wähler. WIR sind missbraucht worden, WIR sind für dumm verkauft worden.

Demokratie ist eines der höchsten Güter in diesem Staate. Das Wahlrecht ist eines der wichtigsten Rechte des Bürgers. Diese Rechte sind blutig von unseren Vorfahren in einem jahrzehntelangen Kampf erstritten worden.

Und dann so etwas? Eine Verhöhnung, nein, sprechen wir es ruhig aus: eine hinterfotzige Verarschung durch eine öffentliche Institution (Amt des Rates). Alles nicht so schlimm? JA, WO LEBEN WIR DENN? Bananenrepublik Deutschland! Da können wir ja gleich den jetzt arbeitslosen ägyptischen Präsidenten Mubarak als neuen städtischen Wahlhelfer einstellen!

Nein, wir werden das nicht hinnehmen. Nein, wir werden dieses Thema im Auge behalten. Wir haben das Gedächtnis eines indischen Arbeitselefanten, ehrlich. Nein, wir hatten uns wohlweislich nicht an der Marscheiderischen Hetzjagd beteiligt. Wir brauchen keine Wiedergutmachung zu leisten oder Genugtuung. Uns geht es um die Sache. Um Verantwortung, Aufklärung und Bestrafung. Der damalige zuständige Amtsleiter Flüshöh (inzwischen befördert zum Leiter des Fachbereichs „öffentliche Sicherheit“) könnte sicherlich zur dringend notwendigen Erhellung beitragen. Wir warten.

Marscheider hat seinerzeit Anzeige gegen Unbekannt erstattet – hoffend, die Staatsanwaltschaft werde einen dreisten Demokratie- und Staatsfeind suchen und sich dann vorknüpfen. Aber die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt.

Und jetzt? Wenn Ihnen demnächst irgendein Politiker wieder etwas erzählt von Demokratie und Wahlrecht, von Bürgerbeteiligung und sozialer Verantwortung rhabarber, rhabarber, rhabarber – schenken Sie ihm eine Banane.

Würg!

Tilo