Der Trend zu Importen

Trends gibt es in allen Lebensbereichen. Den Trend, im Geländewagen durch die Innenstädte zu kutschieren. Den Trend, immer und überall mit dem Smartphone erreichbar zu sein.

In Hagen geht der Trend verstärkt zu Importen. Orangen aus dem Süden, Unterhaltungselektronik aus dem Osten, Fischkonserven aus dem Norden – und führende Politiker aus dem Westen.

Dietmar Thieser war einer der ersten Importe der jüngeren Hagener Geschichte. Er stammt aus Wahlen im Saarland und vertrat als Oberbürgermeister und als Bundestagsabgeordneter seine neue Wahlheimat für die SPD. Noch immer fühlt er sich in Hagen pudelwohl.

Jörg Dehm, ein Mülheimer Junge, wurde von den Hagener Christdemokraten ins Oberbürgermeisterstübchen an der Volme gelockt. Heimische Politiker hatten keine Chance oder hatten es nicht so gut drauf. Überspitzt gesagt: Dehm war im Vergleich zu den Hagener Bewerbern ungefähr ein Samsung LED-Fernseher gegenüber einem Graetz-Röhrenmodell aus Altena.

Sogar Prinz Karneval ist ein Import. Erdinc Özcan-Schulz stammt aus Wülfrath. Seine Familie war einst in der Türkei daheim. Doch wer Erdinc, den Ersten, kennt, weiß, dass nur wenige vor ihm mit derartiger Inbrunst ihr „Hagau lo gohn“ schmetterten. Die Prinzessin an seiner Seite heißt Alexandra. Gut, sie wohnt in Hagen, aber sie arbeitet in Wuppertal und ihre Wurzeln liegen in Usbekistan. Klingt doch auch nach einem Import – einem majestätischen sogar.

Ja, das ist er, der Duft der „Großen weiten Welt“, der frischen Wind in das lauschige Volmetal bringt – wunderbar.

Die Hagener CDU probiert es wieder trendy. Für die Bundestagswahl suchte und fand die Hagener Union keinen geeigneten Kandidaten. Nun soll eine Aachenerin die Stimmen für die CDU in Hagen holen. Sie heißt Cemile Giousouf, ist 34 Jahre jung, Politologin – und Muslima. Ein mutiger, ein moderner, aber vielleicht doch ein zu fortschrittlicher Schritt. Jedenfalls qualmt jetzt bei den Schwarzen die Küche. An der Basis rumort es. Die Heimat- und Lokal-Schlümpfe schäumen.

Dennoch: Die Kandidatenkür in Hagen hat die Aachenerin bereits für sich entschieden. Nun wird nur noch auf das Votum der Christdemokraten aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis gewartet. Ob der Hagener Rechtsanwalt Werner Reinhardt, der sich Anfang der Woche überlegt hat, besser spät, als gar nicht in den Ring ums Bundestagsmandat zu steigen, eine Chance hat? Wird die Union für einen Hagener Bewerber die eigene Kandidatenkür noch einmal rückgängig machen?

Hey Leute, es geht um die BUNDESTAGswahl! Da stehen andere Themen auf der Tagesordnung als die Breite der Bürgersteige in Boelerheide! Da sind Durchblick und Weitsicht gefragt und nicht lokale Scheuklappen! Die Importe aus anderen Städten und Ländern sind Hagen in der Vergangenheit ganz gut bekommen. Warum kein „Weiter so“?

Und vielleicht geht der Hagener Bundestagssitz wieder an die SPD. Dann ist es eh völlig wurscht, wer von der CDU Zweiter wird.