Dicke Kumpels

„Gitarre spielende Männer sind toll.“ Meint jedenfalls die kleine Lena, Nichte von Kollege Frank.

Tja, das kann man sicherlich so oder so sehen – und soooo wichtig isses ja eigentlich auch nicht. Oder doch? Solche Läppigkeiten findet man jedenfalls zuhauf auf „Facebook“, dem größten sozialen Internet-Netzwerk der Welt.

Frank hat sich jetzt auch angemeldet. Er war neugierig geworden, weil im Nahen Osten ganze Revolutionen über Facebook organisiert werden und hierzulande wuchtige Randale-Partys. Das Ergebnis freilich haut ihn nicht vom Schlitten.

„Uwe ist jetzt mit Thorsten und 146 weiteren Personen befreundet.“

Aha…

„Die U17-Nationalmannschaft von Uruguay hat die Altersgenossen aus Usbekistan bei der WM mit 2:0 geschlagen. 178 Personen gefällt das.“

Echt gut zu wissen…

Immerhin kann man sich auch mit den Berühmten dieser Welt verbrüdern, mit Filmstars und Sportgrößen zum Beispiel, die ihre Fans auf diese Weise bei Laune halten. So hat das Management von Ex-Boxer Muhammad Ali vor ein paar Tagen ein Video „gepostet“ (so nennt man das, wenn man etwas ins soziale Netzwerk einstellt) und darin schon mal auf den 70. Geburtstag des „Größten“, wie er sich selbst nannte, im kommenden Januar hingewiesen. Und weil Frank den Amerikaner als einen seiner bevorzugten Sportler aufgelistet hat, bekam unser Mann das Filmchen gleich auf seiner Facebook-Startseite zu sehen.

Wenn man den Streifen wiederum seinen Facebook-Freunden zugänglich machen möchte, dann drückt man auf die Funktion „Teilen“. Hat Frank auch gemacht. Herrschaften, und was stand dann schon einen kleinen Augenblick im Facebook? „Muhammad Ali und Frank haben einen ,Link‘ geteilt“!

Hui! Wow!

Franks Vater, noch voll hinterm Facebook-Mond, kam jedenfalls aus dem Staunen kaum heraus, dass sein Sohn und Muhammad Ali überhaupt irgendetwas teilen. Und sei es auch nur einen Link. Frank aber setzte gegenüber seinem alten Herren noch eins drauf und hat dabei ein klitzekleines bisschen geflunkert. Die Initiative zur Link-Teilung sei eindeutig von Muhammad Ali ausgegangen, eröffnete er seinem mächtig beeindruckten Altvorderen.

Naja. Der geistigen Vermüllung zum Trotz wird Frank jedenfalls auf Facebook angemeldet bleiben. Schon allein, um zu erfahren, ob möglicherweise eine Facebook-Party mit 1.600 Leuten von irgendwelchen Hallodris in seinem Vorgarten geplant wird. Und um zu erfahren, was seine weitläufige Verwandtschaft so treibt. Neffe Jonas beispielsweise war neulich bei Beate Uhse in Lüdenscheid – und hat das via i-Phone auf Facebook gepostet. Schau an, wird langsam flügge, der Lümmel. Lena wiederum hat das mit „Schon wieder?“ kommentiert. Tststs – da müssen wir wohl ein bisschen vorsichtiger mit dem Taschengeld umgehen…

Genug! Zumal der Kollege jetzt dorthin muss, wo auch der Kaiser zu Fuß hin geht. Aber vorher hat er den Vorgang noch auf Facebook mitgeteilt. Mal schauen, wie vielen Leuten das wohl gefällt…

Tilo